Werbeaufsteller für das 9-Euro-Ticket steht vor Fahrkartenautomaten der Deutschen Bahn | AP

Teuerungsrate im Juni 9-Euro-Ticket und Tankrabatt bremsen Inflation

Stand: 13.07.2022 10:45 Uhr

Nach immer neuen Rekordständen ist die Inflationsrate im Juni leicht zurückgegangen. Hauptgründe waren der Tankrabatt und das 9-Euro-Ticket. Doch die leichten Entspannungssignale dürften nur von kurzer Dauer sein.

Trotz des anhaltenden Anstiegs der Energie- und Lebensmittelpreise hat die Inflation in Deutschland im Juni etwas an Dynamik verloren. Die Verbraucherpreise legten nach Angaben des Statistischen Bundesamtes gegenüber dem Vorjahresmonat um 7,6 Prozent zu. Die Wiesbadener Behörde bestätigte damit ihre erste Schätzung. Im Mai hatte die Inflationsrate noch bei 7,9 Prozent gelegen, im April betrug sie 7,4 Prozent.

9-Euro-Ticket und Tankrabatt dämpfen Teuerung

Im Gegensatz zur ersten Schätzung machten die Statistiker nun auch konkrete Angaben zu den Gründen für den Rückgang der Teuerungsrate im vergangenen Monat. "Hauptursachen für die hohe Inflation sind nach wie vor Preiserhöhungen bei den Energieprodukten", sagte der Präsident des Statistischen Bundesamtes, Georg Thiel. "Leicht dämpfend wirkten sich im Juni 2022 das 9-Euro-Ticket und der Tankrabatt auf die Gesamtteuerung aus."

Auch wenn das Statistische Bundesamt den Effekt der zum 1. Juni für drei Monate eingeführten Entlastungsmaßnahmen nicht genau beziffern konnte, so zeigt er sich jedoch in den Zahlen deutlich: Die Teuerungsrate im Bereich Verkehr halbierte sich und lag im Juni noch bei 8,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Im Mai waren es noch 16,3 Prozent gewesen. Die Statistiker verwiesen darauf, dass sich die Auswirkungen den Tankrabatts wegen der schwankenden Rohölpreise nicht exakt beziffern lasse. "Wären jedoch - ohne Entlastungsmaßnahmen - die Preise für Kraftstoffe und für den öffentlichen Personenverkehr im Juni 2022 unverändert gegenüber Mai 2022 geblieben, hätte sich der Verbraucherpreisindex insgesamt rein rechnerisch um 8,6 Prozent gegenüber Juni 2021 erhöht."

Die staatlichen Entlastungen dürften vor dem Hintergrund dieser Zahlen auch in den weiteren Sommermonaten Juli und August den Preisdruck dämpfen. Allerdings könnte die Inflationsrate wieder nach oben schnellen, sobald die Maßnahmen Ende August auslaufen.

Energiekosten weiter größter Preistreiber

Energie verteuerte sich im Juni im Vergleich zum Vorjahr wegen des russischen Kriegs gegen die Ukraine um 38 Prozent und bleibt damit Preistreiber Nummer eins. Die Preise für leichtes Heizöl haben sich innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt. Erdgas kostete knapp 61 Prozent mehr als im Juni 2021 und Strom 22 Prozent mehr. Die Teuerungsrate für Kraftstoffe sank zwar dank des Tankrabatts etwas, lag aber im Juni immer noch bei 33,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat.

Nahrungsmittel kosteten 12,7 Prozent mehr als im Juni 2021. Erneut waren bei Speiseölen (+43,1 Prozent), bei Fleisch (+18,9 Prozent) sowie bei Molkereiprodukten und Eiern (+15,3 Prozent) deutlich überdurchschnittliches Preissteigerungen zu beobachten. Für die aktuelle Entwicklung der Verbraucherpreise spielt die Verteuerung vieler Lebensmittel neben den Energiekosten eine große Rolle. Ohne Nahrungsmittel und Energie hätten die Inflationsrate im Juni nach Berechnungen des Statistischen Bundesamts bei lediglich 3,2 Prozent gelegen.

EZB vor Zinswende

Inflationsraten auf dem derzeitigen Niveau gab es im wiedervereinigten Deutschland noch nie. In den alten Bundesländern gab es ähnlich hohe Werte im Winter 1973/1974. Damals stiegen die Ölpreise infolge der ersten Ölkrise stark.

Die Europäische Zentralbank (EZB) will nächste Woche angesichts der rekordhohen Inflation in der Währungsunion erstmals seit dem Jahr 2011 ihren Leitzins anheben und im September nachlegen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 13. Juli 2022 um 11:00 Uhr.