Bundesbankpräsident Jens Weidmann steht vor einer Wand mit dem Schriftzug der Bundesbank | dpa

Bundesbank warnt Fast sechs Prozent Inflation befürchtet

Stand: 22.11.2021 14:03 Uhr

Die Deutsche Bundesbank hält es für möglich, dass die Inflation im November auf knapp sechs Prozent steigt. Damit hätte sich die zuletzt ohnehin starke Geldentwertung noch einmal beschleunigt.

Die Bundesbank hält einen sprunghaften Anstieg der Inflation in Deutschland auf knapp sechs Prozent im November für möglich. Im Oktober war der harmonisierte Verbraucherpreisindex HVPI, den die EZB als Basis für ihre Geldpolitik nimmt, in Deutschland auf 4,6 Prozent gestiegen. In diesem Monat könnte die Rate "sogar knapp sechs Prozent betragen", schrieb die Notenbank in ihrem heute veröffentlichten Monatsbericht, dem Vorletzten in der Verantwortung des scheidenden Bundesbank-Chefs Jens Weidmann.

Einen Teil des Anstiegs führt die Bundesbank auf Sondereffekte wie die pandemiebedingte vorübergehende Senkung der Mehrwertsteuer in Deutschland ab Sommer 2020 zurück. Seit Beginn diesen Jahres gelten wieder die alten Steuersätze. Dieser Sondereffekt entfällt ab Januar 2022. "Dann sollte die Inflationsrate spürbar zurückgehen, obwohl die kräftig gestiegenen Marktnotierungen für Erdgas vermutlich zum Großteil erst nach dem Jahreswechsel an die Verbraucher weitergegeben werden", schreibt die Notenbank. Die Experten rechnen damit, dass die Teuerungsrate in den folgenden Monaten des kommenden Jahres nach und nach abnimmt. "Sie könnte aber noch für längere Zeit deutlich über drei Prozent bleiben."

Droht eine Lohn-Preis-Spirale?

In diesem Zusammenhang beurteilt die Notenbank die Pläne der möglichen neuen Bundesregierung kritisch, den Mindestlohn gegen Ende des Jahres 2022 auf 12,00 Euro je Stunde zu erhöhen. Dies hätte "nicht zu vernachlässigende Ausstrahlungseffekte" auf die darüber liegenden Lohngruppen, erläuterte die Bundesbank. "Auch hierdurch dürfte sich der Lohndruck künftig verstärken." Hinter der Warnung steht die Sorge vor einer Spirale aus steigenden Preisen und steigenden Löhnen.

Die Europäische Zentralbank strebt für den Währungsraum der 19 Länder eine jährliche Teuerungsrate von zwei Prozent an. Zudem haben die Währungshüter signalisiert, dass sie es zeitweise akzeptieren, dass das Ziel über- beziehungsweise unterschritten wird. Aus Sicht der EZB ist der jetzige Anstieg der Inflation vorübergehend. Bei der letzten turnusmäßigen Sitzung des geldpolitischen Rates im Oktober hatte die EZB den Leitzins und den Umfang der Anleihekäufe unverändert gelassen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 23. September 2021 um 19:30 Uhr.