Monteurin arbeitet beim Autozulieferer ZF in Friedrichshafen | dpa

Noch weniger neue Aufträge Harte Zeiten für deutsche Exporteure

Stand: 06.12.2021 11:20 Uhr

Die Aufträge der deutschen Industrie sind im Oktober zum zweiten Mal binnen drei Monaten eingebrochen. Vor allem die Großaufträge aus dem Ausland bleiben aus. Experten verweisen auf die Risiken für die Weltwirtschaft.    

Die deutsche Industrie hat im Oktober erheblich weniger Aufträge erhalten. Gegenüber September seien 6,9 Prozent weniger Bestellungen eingegangen, teilte das Statistische Bundesamt mit. Branchenexperten hatten mit einem leichten Rückgang von 0,3 Prozent gerechnet, von der Härte des Rückschlags sind sie vollkommen überrascht worden. Gegenüber dem Vorjahresmonat verringerten sich die Aufträge um 1,0 Prozent.

Grund für die unerwartet schwachen Daten sind die fehlenden Aufträge aus dem Ausland. Während die Aufträge aus dem Inland sogar um 3,4 Prozent zulegten, gingen aus dem Ausland 13,1 Prozent weniger Aufträge ein als im Vormonat. Vor allem aus Ländern außerhalb der Eurozone kamen weniger Bestellungen, sie sanken um 18,1 Prozent. Laut Statistischem Bundesamt geht der Rückgang in erster Linie auf Großaufträge zurück, die im Vormonat noch kräftig um 15,7 Prozent gestiegen waren.

"Ein weiterer Dämpfer"

Nachdem die Auftragseingänge zur Jahresmitte 2021 auf ein Rekordhoch geklettert waren, bedeute "der zweite starke Rückgang der Auftragseingänge innerhalb der letzten drei Monate" für die konjunkturellen Aussichten "einen weiteren Dämpfer", heißt es aus dem Bundeswirtschaftsministerium.

Allerdings solle die Entwicklung vor dem Hintergrund der zurzeit hohen Volatilität des Index und seiner Komponenten nicht überinterpretiert werden, hieß es. Ohne die Berücksichtigung von Großaufträgen gingen die Auftragseingänge lediglich um 1,8 Prozent zurück, wie das Statistische Bundesamt vermeldet.

Auch im August waren die Auftragseingänge gegenüber dem Vormonat deutlich gesunken. Vor allem in der Automobilindustrie und in der Metallbranche hatten die Hersteller dabei über Lieferengpässe bei Vorprodukten geklagt.

Konjunktureller Warnschuss

"Das ist ein Warnschuss vor den Bug der Konjunktur", kommentierte der LBBW-Ökonom Jens-Oliver Niklasch die aktuellen Daten. "Der Auftragsrückgang wirkt brutal", sagte der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel. "Das Infektionsgeschehen in Asien macht sich nun bemerkbar." Dahinter dürfte sich vor allem die Lage in China verbergen. "Neuerliche Lockdowns in Asien bremsen hierzulande die Industrie aus", sagte Gitzel. "Die gegenwärtige Viruswelle ist damit eine neuerliche Belastung für die Weltwirtschaft."

Holger Schmieding, Chefvolkswirt bei der Berenberg Bank, vermutet die anhaltenden Lieferprobleme als Grund: "Wenn Dinge nicht schnell genug produziert oder geliefert werden können, gehen weniger Aufträge ein. Die zugrundeliegende Nachfrage bleibt stark, wie Umfragen nahelegen."

Die Auftragsbücher der Industrie sind zwar immer noch prall gefüllt. Wegen Engpässen bei Rohstoffen und Materialien wie Mikrochips klemmt aber die Produktion. Auch deshalb wird der Aufschwung im zu Ende gehenden Jahr nach Prognose der Bundesregierung schwächer ausfallen als ursprünglich gedacht. Sie senkte ihre Wachstumsprognose auf 2,6 Prozent von zuvor 3,5 Prozent. 2022 wird das Konjunkturplus demnach 4,1 Prozent betragen, 2023 werde es bei 1,6 Prozent liegen.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 06. Dezember 2021 um 13:04 Uhr.