Karosserie einer Mercedes S-Klasse in der Fabrik | dpa

Trotz Lieferengpässen Industrie steigert Produktion

Stand: 07.09.2021 11:12 Uhr

Die deutschen Industrie kämpft weiter mit Lieferengpässen infolge der Corona-Pandemie. Dennoch steigerten die Unternehmen die Produktion im Juli unerwartet deutlich.

Das zweite Halbjahr hat für das Produzierende Gewerbe in Deutschland gut begonnen. Die Gesamtproduktion stieg im Juli gegenüber dem Vormonat um 1,0 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Der Zuwachs übertrifft die durchschnittlichen Erwartungen der Experten. Auch der Produktionsrückgang für den Monat Juni fiel nach endgültigen Daten geringer aus: Die Schätzung von Minus 1,3 Prozent wurde auf minus 1,0 Prozent revidiert.

Investitionsgüter besonders gefragt

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes stieg die Industrieproduktion ohne Energie und Baugewerbe im Juli gegenüber dem Vormonat Juni um 1,3 Prozent. Innerhalb der Industrie nahm die Produktion von Investitionsgütern um 3,2 Prozent und die Produktion von Konsumgütern um 0,9 Prozent zu. Bei den Vorleistungsgütern fiel die Produktion hingegen um 0,5 Prozent. Außerhalb der Industrie lag die Energieerzeugung 3,2 Prozent niedriger und die Bauproduktion 1,1 Prozent höher als im Vormonat.

Die deutsche Industrie kämpft unverändert mit Lieferschwierigkeiten im internationalen Warenhandel, die überwiegend auf die Corona-Pandemie zurückgeführt werden. Verknappungen und Preissteigerungen vieler Rohstoffe und Vorprodukte waren die Folge, was die Produktion bremst. Entsprechend liegt die Gesamtproduktion immer noch deutlich unter ihrem Vorkrisenniveau.

Gegenüber der Situation vor Beginn der Pandemie-bedingten Einschränkungen verzeichneten die Statistiker immer noch ein niedriges Niveau: Im Juli 2021 lag die Produktion im Juli 2021 saison- und kalenderbereinigt um 5,5 Prozent unterhalb des Vergleichswerts vom Februar 2020.

Autohersteller erhöhen Ausstoß

Unter dem weltweiten Materialmangel hatten zuletzt besonders die Autohersteller zu leiden. Der wichtige Bereich "Kraftfahrzeuge und Kfz-Teile" verzeichnete im Juli dennoch ein Plus von 1,9 Prozent, so das Bundeswirtschaftsministerium. Der in der Gesamtstatistik ebenfalls hoch gewichtete Maschinenbau expandierte demnach um 6,9 Prozent.

Die Zahlen deuteten darauf hin, dass der "Tiefpunkt nun überwunden sein könnte", hieß es vom Ministerium. Ökonomen äußerten sich in ersten Stellungnahmen zum Teil weniger zuversichtlich. Ein Ende des Abwärtstrends sei unwahrscheinlich, erklärte etwa Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen. Der Mangel an Vorprodukten werde sich weiter negativ bemerkbar machen. Auch Thomas Gitzel, Chefökonom der Liechtensteiner VP Bank, geht noch nicht von einer "raschen Besserung" aus.

Auftragsbücher prall gefüllt

Die Nachfrage nach Waren aus der deutschen Produktion ist weiterhin hoch. Nachdem gestern bereits ein Auftragsrekord beim deutschen produzierenden Gewerbe gemeldet wurde, bestätigt nun auch das Münchner Ifo-Institut die gute Stimmung in den Betrieben. Der Index der Produktionserwartungen stieg im August auf 27 Punkte von 23 Punkten im Juli, ein im langjährigen Vergleich hoher Wert. "Offenbar hoffen die Firmen, dass sich die Lieferengpässe bei Vorprodukten in den kommenden Monaten langsam auflösen", so Ifo-Experte Klaus Wohlrabe.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. September 2021 um 17:00 Uhr.