Fertigung einer Turbine bei MAN | dpa

Corona-Krisenjahr Industrie senkt Investitionen deutlich

Stand: 16.11.2021 13:05 Uhr

Deutsche Industrieunternehmen haben im Krisenjahr 2020 deutlich weniger investiert. Vor allem die Autobauer traten auf die Bremse. Lediglich in der Chemieindustrie wurde mehr Geld in Sachanlagen gesteckt.

Die deutsche Industrie hat im vergangenen Jahr deutlich weniger Geld in Sachanlagen wie Maschinen, Werkzeuge oder Grundstücke investiert. Die Investitionen der Branche sanken um fast 14 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Damit sparten die Industrieunternehmen so stark an Investitionen wie seit der weltweiten Finanzkrise 2009 nicht mehr. Damals waren sie um 22 Prozent gesunken.

Vor allem Maschinenbauer und die Automobilindustrie sparten aus Vorsicht vor den Auswirkungen der Krise deutlich. Sie senkten ihre Investitionen um zusammen rund ein Fünftel im Vergleich zum Vorkrisenniveau. In der Autoindustrie gingen die diesbezüglichen Ausgaben um rund 19 Prozent auf 13,7 Milliarden Euro zurück, der Maschinenbau verzeichnete ein Minus von 22,6 Prozent auf sechs Milliarden Euro.

Nur in der Chemieindustrie steigen die Investitionen

Auf die vier größten Industriebranchen - also Automobilbau, Chemieindustrie, Maschinenbau sowie Nahrungs- und Futtermittel - entfiel mit 30,5 Milliarden Euro gut die Hälfte der Investitionen der deutschen Industrie.

Allerdings stiegen sie lediglich in der Chemieindustrie: Hier gab es ein Plus von 3,8 Prozent auf 6,1 Milliarden Euro. Gleichwohl dämpfte der Vorsitzende des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI), Christian Kullmann, die Erwartungen: "Weder bei der Materialknappheit noch bei den hohen Energiekosten ist eine schnelle Besserung in Sicht. Diese Faktoren belasten die Wirtschaft und führen dazu, dass das Chemiegeschäft im kommenden Winter weiter abkühlen wird."

Trotzdem steht die deutsche Chemie- und Pharmaindustrie vor einem Rekordjahr. Mit der weltweit immensen Nachfrage nach Corona-Impfstoffen und stark steigenden Chemikalienpreisen rechnet sie laut VCI mit einem Umsatzsprung um 15,5 Prozent auf 220 Milliarden Euro.

Deutsche Wirtschaft leidet unter Corona-Folgen

Eine Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) ergab zudem, dass die Industrieunternehmen im kommenden Jahr wieder deutlich mehr investieren wollen. Manche Industriebranchen rechnen mit Nachholeffekten. Die anhaltenden Rohstoff- und Lieferengpässe sowie der Fachkräftemangel könnten die Produktion aber weiter behindern. Das würde auch die Umsetzung der Investitionspläne teilweise wieder zunichtemachen.

Die Corona-Pandemie hatte die deutsche Wirtschaft im vergangenen Jahr um 4,6 Prozent einbrechen lassen. Das war der größte Rückgang seit der weltweiten Finanzkrise 2009, als das Bruttoinlandsprodukt um 5,7 Prozent gefallen war.

Für das laufende Jahr wird eine Konjunkturerholung erwartet, die jedoch schwächer ausfallen soll als ursprünglich angenommen. Die Bundesregierung hat erst kürzlich ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum 2021 gesenkt, und zwar von 3,5 auf 2,6 Prozent.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. November 2021 um 12:00 Uhr.