Mitarbeiter fertigen in Halle Motorhauben für den Porsche Macan | dpa

Konjunktur-Aufschwung Manche Branchen fallen zurück

Stand: 23.09.2021 12:36 Uhr

Die deutsche Industrie erwartet im laufenden Jahr ein solides Wachstum. Doch andere Wirtschaftszweige werden einer aktuellen Studie zufolge kaum von der Konjunkturerholung profitieren - oder gar nicht.

Auch wenn der Aufschwung durch die Lieferengpässe gebremst wird - die deutsche Industrie profitiert von der Erholung der Weltwirtschaft. Nach Einschätzung des Forschungs- und Beratungsunternehmens Prognos wird sie in diesem Jahr kräftig wachsen. Viele Dienstleistungsunternehmen hätten es dagegen schwer, auf ein gutes Jahresergebnis zu kommen, heißt es in der aktuellen Branchenprognose.

Prognos erwartet in der Industrie in diesem Jahr ein Wachstum der Wirtschaftsleistung von 5,4 Prozent, im Dienstleistungssektor hingegen ein geringeres Plus von 3,0 Prozent. Dabei geht das Institut davon aus, dass eine mögliche vierte Pandemiewelle aufgrund des Impffortschritts keine größeren wirtschaftlichen Schäden verursacht und die Lieferengpässe in der Industrie allmählich abgebaut werden.

Starke Erholung verschiebt sich

Insgesamt rechnen die Experten damit, dass Europas größte Volkswirtschaft 2021 um 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr wächst. Im kommenden sei ein Wachstum von 4,3 Prozent möglich. "Wir erwarten, dass gut zwei Drittel der gesamtwirtschaftlichen Verluste aus 2020 in diesem Jahr wieder wettgemacht werden können." 2022 werde die Wirtschaftsleistung wieder höher ausfallen als vor der Krise.

In den vergangenen Tagen hatten einige Wirtschaftsinstitute ihre Wachstumsprognosen für die deutsche Gesamtwirtschaft nach unten korrigiert. Laut ifo-Institut dürfte die Wirtschaftsleistung 2021 nur um 2,5 Prozent zulegen, das sind 0,8 Prozentpunkte weniger als noch im Juni vorhergesagt: Die ursprünglich für den Sommer erwartete kräftige Erholung nach Corona verschiebe sich weiter, so ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser.

Das RWI in Essen erwartet in diesem Jahr 3,5 Prozent Wachstum, das IWH in Halle 2,2 Prozent, das DIW in Berlin 2,1 Prozent. Eine gemeinsame Herbstprognose wollen die führenden Institute Mitte Oktober vorlegen.

Riesenspanne zwischen den Wirtschaftszweigen

Die Prognos-Fachleute haben auch einen Blick auf die Konjunktur in den einzelnen Branchen geworfen. In der Industrie profitieren der Studie zufolge insbesondere der Fahrzeugbau mit plus 9,5 Prozent. Beim Maschinenbau soll der Zuwachs 7,1 Prozent betragen. Eine überdurchschnittlich kräftige Erholung trauen die Experten unter anderem auch der Metallindustrie, der Elektrotechnik und dem Bereich Gummi und Kunststoff zu.

Ganz anders sieht es in Branchen aus, die vor allem mit fossilen Energieträgern zu tun haben, etwa Bergbau, Kokerei und Mineralölverarbeitung. Sie dürften schrumpfen oder nahezu stagnieren. "Die Spanne zwischen der schwächsten und der stärksten Branchenentwicklung fällt so groß aus wie fast noch nie", kommentiert Prognos-Chefvolkswirt Michael Böhmer.

Boom beim Gastgewerbe

Wachstumsgewinner im insgesamt schwächeren Dienstleistungssektor werden Prognos zufolge Gaststätten, Restaurants, Hotels und andere Beherbergungsbetriebe sein. Nach dem historischen Einbruch im Corona-Krisenjahr dürfte die Wirtschaftsleistung 2021 im Gastgewerbe um rund 20 Prozent zulegen, damit aber weniger stark als noch Anfang des Jahres erwartet. Damals lagen die Schätzungen noch bei plus 28 Prozent. Im kommenden Jahr halten die Experten ein Plus von 29 Prozent für möglich.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. September 2021 um 11:00 Uhr.