Monteurin arbeitet beim Autozulieferer ZF in Friedrichshafen | dpa

Auftragsbestand auf Rekordniveau Produktionsstau in der Industrie

Stand: 19.07.2021 12:22 Uhr

Der Auftragsbestand der deutschen Industrie hat im Mai einen Rekordwert erreicht. Was vordergründig wie ein glänzender Erfolg wirkt, hat allerdings weniger erfreuliche Ursachen.

Die deutsche Industrie ist mit Aufträgen so gut eingedeckt wie noch nie seit Beginn der Statistik im Januar 2015. Der Auftragsbestand wuchs im Mai kalender- und saisonbereinigt um 2,2 Prozent zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt heute mitteilte. Dabei nahmen die offenen Aufträge aus dem Inland um 2,3 Prozent zu, die aus dem Ausland um 2,1 Prozent.

Im Vergleich zum Februar 2020, also dem Monat vor Beginn der Corona-bedingten Einschränkungen in Deutschland, liegt der Bestand inzwischen saison- und kalenderbereinigt um 13,8 Prozent höher.

Weiter Engpässe bei Computerchips

Die Bestandsdaten alleine vermitteln aber ein unvollständiges Bild der wirklichen Lage. Tatsächlich waren die neu eingegangenen Industrieaufträge im Mai gegenüber April sogar spürbar zurückgegangen. Da aber die Produktion vor allem wegen der Engpässe bei wichtigen Vorprodukten wie Halbleitern deutlich langsamer anlief, erhöhten sich die Auftragsbestände.

Der Produktionsstau der deutschen Industrie ist also weiterhin beträchtlich. Die Reichweite des Auftragsbestands beträgt im Mai wie schon im Vormonat 7,0 Monate. Diese Zahl gibt an, wie lange die Betriebe bei gleich bleibendem Umsatz ohne neue Bestellungen theoretisch produzieren müssten, um die vorhandene Nachfrage abzuarbeiten.

Bei den Herstellern von Vorleistungsgütern, also von Vorprodukten für die Produktion, stieg der Auftragsbestand im Mai 2021 gegenüber dem April 2021 den Angaben zufolge um 1,7 Prozent. Bei den Herstellern von Investitionsgütern stieg er um 2,2 Prozent. Im Bereich der Konsumgüter lag der Auftragsbestand 5,8 Prozent höher als im April 2021. 

Trotz der derzeitigen Probleme befindet sich deutsche Industrie in diesem Jahr insgesamt klar im Aufwind. Ein wesentlicher Grund dafür ist das anziehende Auslandsgeschäft. Mit den USA und China stehen die wichtigsten Exportkunden der deutschen Unternehmen vor einer kräftigen Wirtschaftserholung in diesem Jahr, weshalb dort die Nachfrage nach Produkten "Made in Germany" zunimmt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 08. Ju1i 2021 um 17:16 Uhr.