Container-Umschlag am Hamburger Hafen | dpa

Folgen für Deutschland Lieferengpässe kosten Milliarden

Stand: 29.06.2021 13:57 Uhr

Die deutsche Industrie klagt seit Monaten darüber, dass fehlende Rohstoffe und Vorprodukte die Produktion bremsen. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft hat nun die absehbaren Kosten der Lieferengpässe berechnet.

Lieferengpässe, Lieferverzögerungen und Materialmangel könnten die deutsche Volkswirtschaft im laufenden Jahr rund 25 Milliarden Euro kosten. Diese Schätzung des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) ist das Ergebnis einer aktuellen Studie. "Voraussichtlich werden die Lieferengpässe die Industrieproduktion noch bis weit ins dritte Quartal hinein belasten, erst danach dürfte sich eine deutliche Besserung einstellen", sagte Klaus-Jürgen Gern, Leiter der internationalen Konjunkturanalyse am IfW Kiel.

Das Bruttoinlandsprodukt dürfte im zweiten Quartal allein durch die seit Jahresbeginn zusätzlich aufgetretenen Lieferengpässe im Niveau um rund ein Prozent gedrückt worden sein, schreiben die IfW-Autoren Joscha Beckmann und Nils Jannsen.

"Vielschichtige Ursachen"

Die Ursachen für die Lieferengpässe seien vielschichtig, weshalb die Dauer auch schwer zu prognostizieren sei, wie die Experten darlegen. Zu den Gründen gehörten Transportengpässe im Schiffsverkehr, gleichzeitig sei der Bedarf an Vorleistungsgütern wie etwa Halbleitern durch die vielerorts kräftige wirtschaftliche Erholung und die Verschiebung der privaten Konsumausgaben hin zu langlebigen Konsumgütern spürbar gestiegen.

Auch einzelne Ereignisse wie die vorübergehende Blockade des Suezkanals oder Extremwetterereignisse hätten Auswirkungen gehabt. Im Ergebnis habe die Industrie seit Ausbruch der Corona-Krise ihre Aufträge vermehrt nicht mehr in gewohntem Maße abarbeiten können, stellen die Ökonomen fest: "Im April 2021 lag die Industrieproduktion fast elf Prozent unter dem Niveau, das die Auftragseingänge eigentlich hätten erwarten lassen."

Auf- und Nachholeffekte

"Sobald sich die Lieferengpässe lösen, wird die Industrieproduktion durch zwei Faktoren Rückenwind erhalten und für einige Zeit voraussichtlich deutlich stärker zulegen als die neu eingehenden Auftragseingänge", prognostiziert das IfW. Zum einen werde es Aufholeffekte geben, sobald die Industrie ihre Produktion wieder auf das übliche Niveau hochfährt.

"Das derzeitige Niveau der Auftragseingänge spricht für einen Anstieg der Industrieproduktion um etwa zehn Prozent." Zum anderen gebe es Nachholeffekte, sobald die aufgestauten Aufträge abgearbeitet würden. "Dadurch wird die Produktion vorübergehend über ihr langfristig normales Niveau ansteigen", erwarten die Ökonomen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 29. Juni 2021 um 13:38 Uhr.