Eine Mitarbeiterin eines Batteriezellenherstellers sitzt in der Produktion von Superkondensatoren an einem Tisch | dpa

Überraschender Rückgang Hoffnungsschimmer bei den Erzeugerpreisen

Stand: 21.11.2022 10:39 Uhr

Die deutschen Hersteller haben ihre Preise im Oktober völlig überraschend erstmals seit zweieinhalb Jahren gesenkt. Sind das erste Anzeichen für eine Trendwende auch bei den Verbraucherpreisen?

In Deutschland hat sich der Preisauftrieb bei den Erzeugerpreisen deutlich abgeschwächt. Im Oktober stiegen die Produzentenpreise im Jahresvergleich um 34,5 Prozent, teilte das Statistische Bundesamt heute mit. Im Vormonat hatte die Rate mit 45,8 Prozent noch wesentlich höher gelegen.

Im Monatsvergleich gingen die Erzeugerpreise aber um 4,2 Prozent zurück. Es war der erste Rückgang seit Mai 2020, Fachleute hatten mit einem weiteren Anstieg gerechnet. Auch im deutschen Großhandel hatte sich der starke Preisauftrieb zuletzt deutlich abgeschwächt.

Die derzeit tendenziell zu beobachtende Entspannung könnte schließlich auch bei Verbrauchern ankommen, denn Produzentenpreise gelten als Vorläufer für die Entwicklung der Lebenshaltungskosten.

"Spektakulärer Preisrückgang"

"Ein spektakulärer Preisrückgang nach all den Monaten mit deutlichen Preisanstiegen", sagte LBBW-Ökonom Jens-Oliver Niklasch. "Vielleicht das erste Signal eines gewissen, konjunkturbedingten Nachlassens des Preisdrucks." Eine ähnliche Perspektive nimmt auch Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen ein: Die heutigen Zahlen würden durchaus Hoffnung wecken, dass bei den Verbraucherpreisen der Hochpunkt der Inflationsrate nicht mehr fern sei, meint der Fachmann.

Allerdings wäre das Inflationsproblem damit laut Solveen noch lange nicht gelöst. "Denn mit dem stärkeren Lohnanstieg stehen die Unternehmen vor einem weiteren Kostenschub, den sie zumindest teilweise an ihre Kunden weitergeben werden."

Energiekosten bleiben Preistreiber

Hauptverantwortlich für die trotz Rückgang noch immer starke Teuerung auf Erzeugerebene bleiben die Energiekosten, die sich seit Beginn des russischen Einmarschs in die Ukraine verteuert haben. Hier lagen die Erzeugerpreise um 85,6 Prozent höher als im Oktober 2021. Leichtes Heizöl kostete 76,2 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, Kraftstoffe 30,8 Prozent mehr.

Gemessen am Vormonat September sanken die Energiepreise allerdings im Schnitt um 10,4 Prozent, "hauptsächlich verursacht durch den Rückgang der Preise für elektrischen Strom sowie für Erdgas in der Verteilung", wie die Statistiker betonten.

Nahrungsmittel waren auf Erzeugerebene 25,1 Prozent teurer als im Vorjahresmonat. Besonders stark stiegen die Preise für Butter (+66,3 Prozent), Schweinefleisch (+47,0), Käse und Quark (+38,3) sowie Milch (+36,1). Kaffee war 29,1 Prozent teurer als im Oktober 2021.

Kosten noch nicht vollständig weitergereicht

Dass die Inflationsgefahren noch nicht gebannt sind, zeigt auch eine aktuelle ifo-Umfrage. Die deutschen Unternehmen reichen ihre gestiegenen Einkaufspreise bislang nur langsam und auch nicht vollständig an ihre Kunden weiter. Die Firmen haben in den vergangenen Monaten ihre Einkaufspreise erst zu 34 Prozent durchgereicht, wie das ifo-Institut zu seiner Umfrage unter 6500 Betrieben mitteilte.

Eine schwache Nachfrage, hoher Wettbewerbsdruck und langfristige Vertragslaufzeiten hemmten die Firmen nach eigenen Angaben bei Preiserhöhungen. Bis April 2023 planen sie allerdings, die Weitergabe auf 50 Prozent zu erhöhen. "Dies führt voraussichtlich zu weiterem Inflationsdruck bei den Verbraucherpreisen in den nächsten Monaten", sagte ifo-Forscher Manuel Menkhoff voraus.

Dabei gibt es nach Angaben des Instituts allerdings erhebliche Unterschiede zwischen den Branchen. Am stärksten plane die Industrie, höhere Einkaufspreise für Energie, Rohstoffe und Vormaterialien durchzureichen mit 68 Prozent, dann folge der Bau mit 66 Prozent. Im Handel seien es 53 Prozent, bei den Dienstleistern nur 36 Prozent.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. November 2022 um 10:00 Uhr.