Gabelstapler | dpa

Konjunkturerwartungen ifo-Index nähert sich dem Corona-Tief

Stand: 26.09.2022 12:20 Uhr

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im September erheblich verschlechtert. Der ifo-Geschäftsklimaindex fiel auf den niedrigsten Stand seit dem Beginn der Corona-Pandemie.

Der ifo-Geschäftsklimaindex ist im September auf nur noch 84,3 Punkte gefallen, nachdem er im August noch bei 88,6 Punkten gelegen hatte. Ökonomen hatten im Schnitt mit einem Wert von 87,0 Punkten gerechnet.

Der nun ermittelte Stand ist der niedrigste seit Mai 2020 zu Beginn der Corona-Krise, wie das Münchener ifo-Institut zu seiner Umfrage unter rund 9000 Unternehmen mitteilte. "Die deutsche Wirtschaft rutscht in eine Rezession", erklärte ifo-Chef Clemens Fuest. "Der Pessimismus mit Blick auf die kommenden Monate hat deutlich zugenommen."

Die laufenden Geschäfte bewerteten die Unternehmen in der Umfrage "klar schlechter", und der Pessimismus hinsichtlich der kommenden Monate habe deutlich zugenommen. Im Einzelhandel fielen die Erwartungen laut ifo sogar auf ein historisches Tief.

Schlechte Stimmung auch in anderen Bereichen

Auch in anderen Bereichen verschlechterten sich die Aussichten. Im Verarbeitenden Gewerbe fiel der Index "spürbar" - die Unternehmen waren im September unzufriedener mit den laufenden Geschäften als im August und blicken "mit großer Sorge" auf das kommende halbe Jahr, wie die Konjunkturforscher erklärten.

Im Dienstleistungssektor sei der Index "abgestürzt". Die Einschätzungen der Betriebe zur aktuellen Lage fielen laut ifo deutlich schlechter aus, in den kommenden Monaten rechneten sie mit einer weiteren Verschlechterung. Insbesondere das Gastgewerbe befürchte schwere Zeiten.

Im Handel drehten die aktuellen Einschätzungen der Unternehmen erstmals seit Februar 2021 wieder in den negativen Bereich, wie das ifo mitteilte. Die Aussichten verdüsterten sich weiter.

Im Bauhauptgewerbe schließlich waren die Unternehmen mit den laufenden Geschäften weniger zufrieden; ihre Erwartungen waren pessimistischer als im August.

"Wir sehen ein dickes Minus auf allen Fronten", sagte ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe im Reuters-Interview. "Vor allem die energieintensiven Branchen blicken äußerst pessimistisch auf den Winter."

Warnung vor "wirtschaftlich schwierigem Winter"

Der gesamte ifo-Index signalisiere mehr denn je eine Rezession im Winterhalbjahr, betonte Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer. Der Energiepreisschock lasse die Kaufkraft der Konsumenten einbrechen und mache die Produktion vieler Unternehmen unrentabel. "Deutschland ist durch die massiv verteuerten Energieimporte ärmer geworden", sagte Krämer. "Wir stehen vor einem wirtschaftlich schwierigen Winter."

"Es wird somit höchste Zeit für stabilisierende Maßnahmen der Politik", kommentierte Jens-Olier Niklasch von der LBBW. "Unternehmen und Haushalte müssen endlich wieder Planungssicherheit in Sachen Energie - Preise und Verfügbarkeit - zurückgewinnen. Den meisten Unternehmen und Haushalten ist inzwischen klar, dass große Kosten auf sie zukommen." Dennoch sollte jetzt zumindest eine gewisse Obergrenze der Gesamtlast erkennbar werden, fordert Niklasch.

"Kurzfristig lässt sich wegen anhaltend hoher Gas- und Konsumentenpreise, der Versorgungsunsicherheit, der geopolitischen Risiken und der steigenden Zinsen nicht erkennen, dass die Stimmung der deutschen Wirtschaft schon bald auf Erholungskurs geht", erklärte Ralf Umlauf von der Helaba. "An dem Plan der EZB, die Zinsen zu erhöhen wird dies kurzfristig kaum etwas ändern, denn ein konjunktureller Abschwung wird in Kauf genommen."

Über dieses Thema berichtete BR24 am 26. September 2022 um 11:39 Uhr.