Eine offengelegte Dampfturbine liegt zur Wartung im Siemens-Werk für Dampfturbinen-Service. | dpa

ifo-Geschäftsklima Derzeit keine Anzeichen für Rezession

Stand: 23.05.2022 11:06 Uhr

In den Chefetagen der deutschen Konzerne hat sich die Stimmung im Mai verbessert. Der ifo-Geschäftsklimaindex steigt überraschend - trotz Ukraine-Kriegs, Lieferengpässen und Inflation. Doch Experten warnen.

Die Stimmung der deutschen Wirtschaft hat sich im Mai überraschend aufgehellt. Der ifo-Geschäftsklimaindex stieg auf 93,0 Punkte von 91,9 Zählern im Vormonat und damit das zweite Mal in Folge, wie das Münchner ifo-Institut heute zu seiner Umfrage unter rund 9000 Top-Managern mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten dagegen einen Rückgang auf 91,4 Punkte erwartet.

"Die deutsche Wirtschaft erweist sich trotz Inflationssorgen, Materialengpässen und Krieg in der Ukraine als robust", sagte ifo-Präsident Clemens Fuest. "Anzeichen für eine Rezession sind derzeit nicht sichtbar." Die Führungskräfte äußerten sich zu ihrer Geschäftslage und zu den Aussichten jeweils weniger skeptisch als noch zuletzt.

Vor allem Dienstleister zufrieden

Im März war Deutschlands wichtigstes Konjunkturbarometer wegen des Angriffs Russlands auf die Ukraine eingebrochen und hat sich seitdem leicht erholt. Im Bereich Dienstleistungen zeigten sich die Unternehmen "merklich zufriedener" mit den laufenden Geschäften, hieß es in der Mitteilung des ifo-Instituts. Dagegen fielen die Erwartungen der Dienstleister pessimistischer aus. Insbesondere Transport- und Logistikunternehmen machten sich Sorgen. Im Bauhauptgewerbe hat sich das Geschäftsklima nach dem Absturz im April wieder etwas erholt.

"Die Erholung des ifo-Geschäftsklimas geht vor allem auf eine bessere aktuelle Geschäftslage im Dienstleistungssektor zurück, der von der Lockerung der Corona-Beschränkungen profitiert", betonte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Andreas Scheuerle von der Dekabank verweist ebenfalls auf die Nachholeffekte nach dem Ende der Restriktionen. Allerdings überlagere dies aktuell Probleme an anderen Stellen: "Diese Hilfe ebbt mit der Zeit ab."

Schnelle Erholung dennoch unwahrscheinlich

"Wegen des Krieges werden die Energiepreise längerfristig hoch sein und damit die Kaufkraft belasten", erklärte Kfw-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib. Außerdem sei davon auszugehen, dass es durch Chinas strikte Lockdowns selbst bei kleinen Corona-Ausbrüchen immer wieder zu Störungen in den globalen Lieferketten komme. Diese stünden infolge des Krieges sowieso unter zusätzlichem Stress. "Eine schnelle Aufholbewegung wie ab dem Frühsommer 2020" sei außer Sichtweite.

Auch Alexander Krüger von der Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe bremst die Euphorie: "Indexanstieg hin oder her: Die Laune von Unternehmen bleibt schlecht. Mehr als Pessimismus lässt die globale Gemengelage auch nicht zu."

Der russische Einmarsch in die Ukraine sorgt für steigende Rohstoffpreise, mehr Lieferengpässe und erhöht die Unsicherheit bei Firmen und Verbrauchern. Das bremst die Konjunktur vor allem in der Industrie und am Bau, während manche Dienstleister mit Abebben der Corona-Krise an Zuversicht gewinnen. Viele Volkswirte trauen der Wirtschaft 2022 höchstens noch rund zwei Prozent Wachstum zu. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) rechnet sogar nur mit einem mageren Plus von 1,0 bis 1,5 Prozent.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. Mai 2022 um 11:00 Uhr.