Container-Umschlag am Hamburger Hafen | dpa

ifo-Index Unternehmen weniger optimistisch

Stand: 25.08.2021 11:33 Uhr

Lieferengpässe und steigende Corona-Zahlen haben die Stimmung in der deutschen Wirtschaft den zweiten Monat in Folge getrübt. Vor allem Industrie, Tourismus und Gastgewerbe sind betroffen. Auch das China-Geschäft schwächelt.

Die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Unternehmen trübt sich aufgrund der anhaltenden Lieferengpässe weiter ein. Der ifo-Geschäftsklimaindex, der wichtigste konjunkturelle Frühindikator, sank im August auf 99,4 Punkte von 100,7 Zählern im Juli, wie das Münchner Wirtschaftsforschungsinstitut im Rahmen seiner Umfrage unter rund 9000 Managern mitteilte. Es war der zweite Rückgang in Folge.

Analysten hatten zwar mit einem Rückgang des Barometers für Deutschland gerechnet, dabei aber 100,4 Punkte veranschlagt. Die Eintrübung geht auf weniger optimistische Erwartungen der Unternehmen zurück. "Lieferengpässe bei Vorprodukten in der Industrie und Sorgen wegen steigender Infektionszahlen belasten die Konjunktur", sagte ifo-Präsident Clemens Fuest. "Insbesondere im Gastgewerbe und im Tourismus wachsen die Sorgen."

Industrie-Erwartungen auf niedrigsten Stand seit November

Die steigenden Infektionszahlen hätten die Erwartungen in den beiden Sektoren praktisch einbrechen lassen, sagte ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe zu Reuters. "Der Optimismus der vergangenen Wochen ist hier komplett weg." Zuletzt hatten Tourismus und Gastgewerbe nach monatelangen Einschränkungen noch Morgenluft schnuppern können.

Laut dem ifo-Institut trübte sich das Geschäftsklima in allen betrachteten Branchen bis auf das Baugewerbe ein. In der Industrie fiel der Erwartungsindikator auf den niedrigsten Stand seit November. Die Unternehmen hätten von einer schwächeren Nachfrage berichtet. Unter den Dienstleistern und im Handel ging das Geschäftsklima ebenfalls zurück. Auch die Geschäftsaussichten werden von den Firmen skeptischer gesehen. "Der Ausblick auf die kommenden Monate erlitt einen deutlichen Rückschlag", betonte Fuest.

Lieferengpässe halten an

Die Lieferkettenprobleme dürften sich eher verschärfen als entspannen, sagte Bankhaus-Lampe-Experte Bastian Hepperle. "Fehlen aber wichtige Teile wie Halbleiter, können gut gefüllte Auftragsbücher nicht zügig abgearbeitet werden." Die Folgen seien eine Verlagerung der Produktion in die Zukunft und weiterhin lange Lieferzeiten.

"70 Prozent der Industriebetriebe klagen inzwischen über Engpässe bei Vorprodukten (Vormonat: 64 Prozent)", erklärte auch Wohlrabe. Hier wolle jedes zweite Unternehmen wegen der stark gestiegenen Kosten die Preise erhöhen.

Erholung intakt?

Ihre aktuelle Lage beurteilten die Manager dagegen etwas besser als zuletzt. Nach dem Schrumpfen Anfang 2021 war die deutsche Wirtschaft im Frühjahr wieder um 1,6 Prozent gewachsen. Das weiterhin hohe Niveau des Geschäftsklimas sei ein Hinweis darauf, dass die Erholung der deutschen Wirtschaft intakt sei, so die Analysten von der Landesbank Hessen-Thüringen.

Die Experten der Landesbank Baden-Württemberg erwarten, dass die deutsche Wirtschaft im Sommer ihr Wachstumstempo steigern kann. "Anhaltende Lieferengpässe in der Industrie und die Sorge vor neuen Corona-Einschränkungen im Herbst führen jedoch zu erhöhter Unsicherheit und Vorsicht mit Blick auf das Schlussquartal." Auch die Bundesbank hatte jüngst eine langsamere Erholung prognostiziert.

Risse im deutschen China-Geschäft

Die deutschen Exporte geben ebenfalls wenig Grund zur Hoffnung. Das China-Geschäft der deutschen Exporteure ist im Juli erstmals seit fast einem Jahr geschrumpft. Die Ausfuhren in die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt sanken um 3,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat auf 8,4 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Das war der erste Rückgang seit August 2020 und zugleich das größte Minus seit Mai 2020, als die Volksrepublik noch unter der ersten Corona-Welle litt und die Ausfuhren dorthin um gut zwölf Prozent einbrachen.

Nach den USA ist China der zweitgrößte Abnehmer von Waren "Made in Germany". Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sieht in dem Rückgang daher "ein ernüchterndes Zeichen". "In der Corona-Krise war China bislang die Konjunkturlokomotive der Welt - und auch der deutschen Exportwirtschaft", sagte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier. So wuchsen die deutschen Ausfuhren dorthin im ersten Halbjahr 2021 um 19 Prozent auf knapp 53 Milliarden Euro.

Transportprobleme im Schiffsverkehr und Engpässe bei Materialien sorgten nun aber für Störungen in den internationalen Lieferketten: Laut DIHK-Umfrage berichten 73 Prozent der deutschen Betriebe von längeren Wartezeiten bei bestellten Rohstoffen, Waren und Vorprodukten. Dazu kommt die abflachende Konjunktur in China, wo aktuell die Maßnahmen zur Eindämmung neuer Pandemieherde und die Folgen massiver Überschwemmungen dämpfend wirken.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 25. August 2021 um 12:00 Uhr.