Eine Monteurin arbeitet beim Autozulieferer ZF in Friedrichshafen. | dpa

Ifo-Index gestiegen Lichtblick aus den Chefetagen

Stand: 25.01.2022 11:05 Uhr

Erstmals seit Juni blicken Deutschlands Führungskräfte wieder optimistischer nach vorn. Das Ifo-Geschäftsklima verbesserte sich überraschend.

Nach sechs Rückgängen in Folge ist der ifo-Geschäftsklimaindex im Januar erstmals wieder gestiegen. Der wichtigste deutsche Konjunktur-Frühindikator stieg überraschend auf 95,7 Punkte nach 94,8 Punkten im Dezember, wie das Münchner ifo-Institut zu seiner Umfrage unter rund 9000 Führungskräften mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Fachleute hatten eigentlich nur eine Stagnation erwartet.

Industrie erwartet besseres Exportgeschäft

"Die deutsche Wirtschaft startet mit einem Hoffnungsschimmer ins neue Jahr", kommentierte ifo-Präsident Clemens Fuest. Zwar bewerten die befragten Unternehmen die aktuelle Lage etwas skeptischer als zuletzt. Die Aussichten für das kommende halbe Jahr beurteilen sie aber viel optimistischer. Trotz der aktuellen Omikron-Welle hellte sich das Geschäftsklima in allen betrachteten Branchen auf.

"Die Situation bei den Lieferengpässen bei Vorprodukten und Rohstoffen hat sich etwas entspannt", so Fuest. Einen Hoffnungsschimmer liefert vor allem die Industrie: Deren Exporterwartungen haben zum Jahresauftakt merklich zugelegt.

Erholung unter Vorbehalt

"Es gibt positive Signale. Aber von einer Trendwende zu sprechen ist noch zu früh", sagte ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe. Die meisten Ökonomen gehen davon aus, dass die Omikron-Welle die Konjunktur auch im laufenden ersten Quartal bremst. Ende 2021 war die deutsche Wirtschaft wohl etwas geschrumpft - nach erster Schätzung des Statistischen Bundesamts um 0,5 bis 1,0 Prozent.

Zuletzt hatte aber beispielsweise der Einkaufsmanagerindex des Instituts IHS Markit darauf hingedeutet, dass vor allem die Industrie 2022 unerwartet gut gestartet ist. "Die Stimmungserholung lässt trotz der Omikron-Welle und der Lieferkettenprobleme sowie hoher Preissteigerungen auf eine wirtschaftliche Erholung in den kommenden Monaten hoffen", kommentierte Ulrich Wortberg von der Helaba die aktuellen Daten. "Damit bleibt auch die EZB unter Druck, eine baldige Abkehr von der extrem lockeren Geldpolitik zu beschließen."

Sorgen wegen Ukraine-Konflikt

Die jüngste Umfrage fand allerdings vor der Zuspitzung des Ukraine-Konflikts in den vergangenen Tagen statt. "Vor allem Unternehmen aus dem verarbeitenden Gewerbe dürften die Situation mit Sorge verfolgen", sagte Thomas Gitzel von der VP Bank. "Schwere politische Konflikte bergen derzeit das Risiko, dass sich die angespannte Lieferkettensituation weiter verschärft."