Container im Hamburger Hafen | dpa

ifo-Index sinkt Lieferprobleme belasten Wirtschaftsklima

Stand: 26.07.2021 11:19 Uhr

Anhaltende Lieferengpässe und die Sorge vor einer vierten Corona-Welle trüben die Stimmung in den Chefetagen deutscher Unternehmen. Der ifo-Geschäftsklimaindex ist im Juli überraschend zurückgefallen.

Im Juli hat sich Stimmung in der deutschen Wirtschaft überraschend eingetrübt. Der ifo-Geschäftsklimaindex, der wichtigste deutsche Frühindikator, sank auf 100,8 Punkte nach 101,7 Zählern im Juni, wie das Münchner Wirtschaftsforschungsinstitut zu seiner Manager-Umfrage mitteilte.

Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten mit einem Anstieg auf 102,1 Punkte gerechnet. "Lieferengpässe bei Vorprodukten und Sorgen um wieder steigende Infektionszahlen belasten die deutsche Wirtschaft", sagte ifo-Präsident Clemens Fuest.

Mangel an Vorprodukten und Fachkräften wird ernster

Zwar beurteilten die befragten Manager ihre Geschäftslage etwas besser als zuletzt. Die Geschäftsaussichten für die kommenden sechs Monate bewerteten sie aber weniger optimistisch. "Die Knappheit bei den Vorprodukten verschärft sich weiter, und immer mehr Firmen klagen über Fachkräftemangel", erklärte Fuest.

Auch im Dienstleistungssektor verschlechterte sich das Geschäftsklima. Trotzdem rechneten die Dienstleister weiter mit steigenden Umsätzen, wenn auch nicht mehr so stark wie im Vormonat, so Fuest. Im Handel verschlechterten sich die vorsichtig optimistischen Erwartungen aus dem Vormonat ebenfalls. Auch hier berichten mehr und mehr Firmen von Lieferengpässen, wie die Wirtschaftsforscher mitteilten. Nur im Bauhauptgewerbe verbesserte sich das Geschäftsklima: Die Unternehmen waren zufriedener mit ihrer aktuellen Lage und der Erwartungsindikator stieg das dritte Mal in Folge.

Im Mai war der ifo-Index auf den höchsten Wert seit zwei Jahren gestiegen, im Juni legte er weiter zu. Ein Wert über 100 signalisiert eine geschäftliche Expansion innerhalb der nächsten sechs Monate.

Konjunktur hängt am Impffortschritt

"Die allseits erwartete gradlinige Konjunkturerholung im zweiten Halbjahr 2021 ist nicht ausgemacht, da Lieferkettenstörungen und Materialengpässe anhalten dürften", kommentierte Chefvolkswirt Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe. Die Konjunktur werde noch viele Monate am Impffortschritt und der Reparatur von Pandemieschäden hängen.

Das Forschungsinstitut IHS Markit hatte in seiner jüngsten Umfrage unter Hunderten Firmen zuletzt ein Rekordwachstum der deutschen Wirtschaft ermittelt. Ökonomen gehen davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal um 2 Prozent zugelegt hat. Laut Bundesbank dürfte sich das Wachstumstempo im Sommer noch beschleunigen, so dass die Wirtschaft im laufenden dritten Quartal ihr Vorkrisenniveau erreichen kann. Im ersten Quartal war das BIP Corona-bedingt noch um 1,8 Prozent geschrumpft.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 26. Juli 2021 um 11:00 Uhr.