Blick auf einen Schreibtisch im Homeoffice | dpa

Studie zu Folgen für BIP Homeoffice senkt Wirtschaftsleistung

Stand: 26.05.2021 09:32 Uhr

Der Homeoffice-Effekt könnte einer Studie zufolge dieses Jahr ein Loch von 15 Milliarden Euro ins deutsche Bruttoinlandsprodukt reißen. Das liegt an Einbußen jener Branchen, die sonst mit ihren Leistungen die Arbeit im Büro ermöglichen.

Seit März 2020 haben viele Arbeitnehmer ihr Büro irgendwo zwischen Wohnzimmercouch, Küchentisch und Schlafzimmer. Diese Entwicklung im Zuge der Corona-Eindämmung hat Folgen für die deutsche Wirtschaftsleistung. Die Unternehmensberatung Pricewaterhouse Coopers (PwC) hat berechnet, dass der Homeoffice-Effekt das deutsche Bruttoinlandsprodukt dieses Jahr um 15 Milliarden Euro senken könnte.

Die Infrastruktur hinter den Bürojobs

Dieser berechnete Effekt hat nichts mit der Frage zu tun, ob Menschen im Homeoffice produktiver sind oder nicht. Vielmehr hängt vom Bürojob eine große Wertschöpfungskette ab: Gastronomiebetriebe, die die Mitarbeiter vor allem mittags versorgen, Verkehrsunternehmen, Einzelhändler, Reinigungsfirmen, IT-Agenturen - um ein paar Beispiele zu nennen.

Gerade um die Büros großer Firmen haben sich entsprechende Systeme aus Dienstleistern entwickelt, welche das traditionelle Arbeiten im Büro am Laufen halten. Wer täglich seinen Kaffee zu Hause trinkt, zu Hause kocht und das Auto stehen lässt, senkt damit zwar die eigenen Ausgaben. Doch die Volkswirtschaft kommt der Homeoffice-Effekt teuer zu stehen.

Volkswirtschaftliche Kosten des Homeoffice

Derzeit arbeiteten rund 30 Prozent der Angestellten in Deutschland zu Hause statt im Büro, so die PwC-Experten. Für das Pendeln zum Arbeitsplatz, das Mittagessen im Restaurant, Einkäufe im Büroviertel oder auf dem Arbeitsweg und für Unterhaltung gäben sie weniger Geld aus. Die direkt betroffenen Branchen verlören dadurch 5,7 Milliarden Euro Umsatz.

Dazu kämen indirekte Effekte wie beispielsweise der geringere Energieverbrauch von Gaststätten. Das ziehe einen wirtschaftlichen Rückgang von 4,1 Milliarden Euro nach sich. Die verringerte Kaufkraft der Beschäftigten in den betroffenen Branchen schlage mit 5,1 Milliarden Euro zu Buche.

Erholung dank flexibler Arbeitsmodelle?

In der Summe führe dies zu einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um voraussichtlich 14,9 Milliarden Euro oder 0,3 Prozent, heißt es in der PwC-Analyse "Economic impact of Covid-19 induced Home Office". Die Bruttowertschöpfung von Personenbeförderung, Tourismus, Reiseanbietern, Hotels und Gaststätten dürfte sich bis 2022 nicht auf Vorkrisenniveau erholen.

Künftig dürften den PwC-Experten zufolge flexible Arbeitsmodelle vorherrschen. "Es ist davon auszugehen, dass viele Unternehmen mit Blick auf den Wissenstransfer und Zusammenhalt der Belegschaft auf hybride Lösungen setzen werden", so PwC-Projektleiter Thorben Wegner. "Dadurch könnten auch vom Bürobetrieb abhängige Branchen mittelfristig auf eine Erholung der Umsätze hoffen."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. Mai 2021 um 12:00 Uhr.