Industrieanlagen auf dem Gelände des BASF-Konzerns in Ludwigshafen | dpa

Probleme der Industrie Hohe Energiepreise bremsen Produktion

Stand: 07.09.2022 10:38 Uhr

Die deutschen Unternehmen haben ihre Produktion im Juli gedrosselt. Vor allem energieintensive Branchen haben ihre Produktion heruntergefahren. Experten blicken skeptisch in die Zukunft.

Die deutschen Unternehmen haben ihre Produktion im Juli angesichts von Materialengpässen und hoher Energiepreise zurückgefahren. Industrie, Bau und Energieversorger stellten zusammen 0,3 Prozent weniger her als im Vormonat, wie das Statistische Bundesamt heute mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit einem etwas kräftigeren Rückgang von 0,5 Prozent gerechnet, nach einem Wachstum von revidiert 0,8 Prozent im Juni.

"Die Industrie ist schwach ins dritte Quartal gestartet", kommentierte das Bundeswirtschaftsministerium die Daten. "Die gedrosselten Gaslieferungen aus Russland und die hohe Unsicherheit durch den Krieg trüben die Aussichten für den Rest des Jahres weiter ein."

Chemie & Co. drosseln die Produktion

Ein Blick auf die Details zeigt, dass die Energieerzeugung und die Produktion am Bau im Vergleich zum Vormonat deutlich zugelegt haben. "Dafür ist die Produktion in der Industrie im engeren Sinne um 1,0 Prozent gefallen", wie Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen herausstreicht. Das geht vor allem auf die Fahrzeugindustrie zurück, die ein Minus von 4,6 Prozent meldete.

Aber auch energieintensive Sektoren wie die Chemie haben ihre Produktion deutlich heruntergefahren. In den energieintensiven Industriezweigen fiel die Produktion im Juli gegenüber dem Vorjahresmonat um 1,9 Prozent. Der Rückgang war damit deutlich stärker als im Produzierenden Gewerbe und der Industrie insgesamt.

"Seit Februar 2022 ging die Produktion in der energieintensiven Industrie um 6,9 Prozent zurück", betont das Statistische Bundesamt. "Offensichtlich ist die Herstellung vieler Produkte angesichts der massiv gestiegenen Energiepreise nicht mehr rentabel", erklärt Commerzbank-Experte Solveen.

Rezessionssorgen kommen wieder hoch

Die gesunkene Industrieproduktion bedeuten für das Wachstum der deutschen Volkswirtschaft nichts Gutes. "Die Produktionsdaten untermauern jedenfalls unsere Befürchtung, dass die deutsche Wirtschaft im dritten Quartal schrumpfen wird", sagte der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel. "Dies wäre dann der Auftakt für eine kräftige konjunkturelle Wintergrippe mit keinem Garant für eine rasche Genesung."

Ökonomen warnen schon seit längerem, dass die deutsche Wirtschaft im Herbst in eine Rezession abrutschen könnte. Eine Rezession für Deutschland sei nicht mehr abzuwenden, zeigte sich auch Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing zum heutigen Auftakt des "Handelsblatt"-Bankengipfels in Frankfurt überzeugt.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 05. September 2022 um 23:00 Uhr.