Autoproduktion im Volkswagenwerk Zwickau | dpa

Fehlende Halbleiter Chipmangel bremst Kurzarbeit-Rückgang

Stand: 05.10.2021 10:08 Uhr

In der Industrie sorgen Lieferengpässe bei Halbleitern weiterhin für Probleme. Das wirkt sich auch auf den Arbeitsmarkt aus, laut dem Münchener ifo-Institut stieg dort zuletzt die Kurzarbeit sogar wieder an.

Der Rückgang der Kurzarbeit in Deutschland infolge der Corona-Krise hält zwar weiter an, aber er hat sich verlangsamt. Das zeigt die aktuelle Schätzung des ifo-Instituts für den September.

Danach waren im vergangenen Monat noch 610.000 Menschen in Kurzarbeit, nach 694.000 im August. Im Juli hatte es mit 1,07 Millionen noch deutlich mehr Menschen in Kurzarbeit gegeben. Die aktuelle Schätzung basiert nach ifo-Angaben auf der Konjunkturumfrage des Instituts und Daten der Bundesagentur für Arbeit.

Auto- und Metallindustrie betroffen

Allerdings hat sich der Rückgang verlangsamt, und zwar wegen einer Entwicklung in der Industrie, besonders im Automobilsektor. "Einen kleinen Anstieg der Kurzarbeitszahlen sehen wir in der Industrie, von 250.000 auf 260.000 Beschäftigte oder von 3,6 auf 3,7 Prozent", so ifo-Umfrageexperte Stefan Sauer. Die Autobranche und die Metallerzeugung hätten die Kurzarbeit erhöht, "offenbar wegen der Lieferprobleme bei Vorprodukten". In der Autobranche stieg die Zahl demnach von 26.000 auf 34.000, was nach 2,8 Prozent nun 3,6 Prozent der Beschäftigten entspricht. In der Metallerzeugung nahm die Zahl von 3000 auf 6000 Stellen (2,1 Prozent der Beschäftigten) zu.

Die Versorgungskrise bei Mikrochips sorgt bei den Autokonzern selbst, aber auch bei Zulieferern für Verdruss. Continental-Chef Nikolai Setzer etwa erwartet kurzfristig keine Entspannung in dem Bereich: "Wir sehen, dass sich diese Effekte wohl noch weiter bis in das Jahr 2022 ziehen werden", so Setzer. "Viele Marktbeobachter gehen davon aus, dass erst ab 2023, wenn höhere Kapazitäten bei den Chipherstellern verfügbar sind, eine deutliche Besserung eintritt."

Produktion wird heruntergefahren

Der Münchner Lkw-Hersteller MAN muss wegen fehlender Halbleiter die Produktion an seinen deutschen Standorten drosseln. "Aktuell fallen einzelne Schichten an den Standorten München, Nürnberg und Salzgitter aus", so eine Konzernsprecherin. Bereits in der vergangenen Woche hatte MAN in seinem Stammwerk in München die Produktion am Donnerstag und Freitag unterbrochen. Auch in dieser Woche sollen die Bänder am Donnerstag und am Freitag stillstehen.

Bereits seit Monaten ächzen die Autokonzerne unter dem Mangel an Halbleiterprodukten, die Produktion leidet derzeit an vielen Produktionsstandorten. Im VW-Stammwerk Wolfsburg können derzeit 130.000 bestellte Golf nicht gebaut werden. Opel fährt sein Werk in Eisenach für Monate sogar ganz herunter, und auch BMW warnt vor weiteren Folgen des Chipmangels.

Für Chiphersteller wie den Münchener Infineon-Konzern bedeutet die hohe Nachfrage bei geringerem Angebot auf dem Weltmarkt umgekehrt blendende Aussichten. Infineon erwartet ein gutes Geschäftsjahr 2022 und will mehr investieren, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Der Umsatz soll im neuen Geschäftsjahr, das am 1. Oktober begann, im mittleren Zehn-Prozent-Bereich steigen, wie Infineon mitteilte.

Gastgewerbe atmet auf

Ganz anders ist Lage im Gastgewerbe, das im September die stärksten Rückgänge bei der Kurzarbeit verzeichnete. Hier seien aktuell 5,5 Prozent oder 58.000 Beschäftigte in Kurzarbeit, erklärte das Münchener Institut. Im Vormonat waren es demnach noch 7,6 Prozent. Die Branche profitiert von Lockerungen der Beschränkungen für Gäste. Auch im Einzelhandel sank die Kurzarbeit, von 1,0 auf 0,9 Prozent, was dort 21.000 Beschäftigte bedeutet, im Großhandel von 1,7 auf 1,1 Prozent oder 15.000 Beschäftigte.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 03. August 2021 um 12:00 Uhr.