Hochregallager mit Gabelstapler

Deutscher Großhandel Preisanstieg wie in der Ölkrise

Stand: 13.09.2021 11:24 Uhr

Ein weiterer Vorbote einer noch höheren Inflation: Im Großhandel sind die Preise so stark gestiegen wie zuletzt im Herbst 1974. Manche Rohstoffe haben sich binnen eines Jahres um zwei Drittel verteuert.

Die Preise im Großhandel in Deutschland sind im August so stark geklettert wie seit fast 47 Jahren nicht mehr. Im August stiegen sie im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresmonat um 12,3 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Damit beschleunigte sich der Preisauftrieb erneut deutlich: Im Juli hatte die Teuerungsrate bei 11,3 und im Juni bei 10,7 Prozent gelegen. Einen kräftigeren Anstieg hatte es zuletzt im Oktober 1974 mit 13,2 Prozent während der ersten Ölkrise gegeben.

"Der hohe Anstieg der Großhandelspreise im Vorjahresvergleich ist zum einen durch aktuell stark gestiegene Preise für viele Rohstoffe und Vorprodukte begründet", erklärten die Statistiker. "Zum anderen kommt ein Basiseffekt infolge des sehr niedrigen Preisniveaus der Vorjahresmonate im Zusammenhang mit der Corona-Krise zum Tragen."

Preise teilweise verdoppelt

Starke Preistreiber waren demnach Erze, Metalle und Vorprodukte aus Metall, die sich um fast zwei Drittel verteuerten. Mehr als doppelt so hoch waren die Preise von Altmaterial und Reststoffen. Roh- und Schnittholz kostete fast 60 Prozent mehr. Die Preise für feste Brennstoffe und Mineralölerzeugnisse lagen um mehr als ein Drittel über dem Vorjahresniveau.

In den vergangenen Monaten hatten sich die Berichte über Lieferschwierigkeiten bei zahlreichen Produkten gehäuft. Wegen der deutlichen Erholung der Weltkonjunktur vom Corona-Einbruch steigen derzeit die Preise für viele Produkte rasant. Besonders die weltgrößten Volkswirtschaften USA und China erwarten in diesem Jahr starke Wachstumszahlen, zumal dort große Konjunkturprogramme aufgelegt wurden.

Druck auf die Verbraucherpreise

Die Entwicklung der Großhandelspreise gilt als ein Indikator für zukünftige Entwicklung der allgemeinen Verbraucherpreise, da der Großhandel die Zwischenstation zwischen Herstellern und Endkunden ist. Hinzu kommen etwa die Preise für nach Deutschland eingeführte Güter und die Preise, die Hersteller für ihre Produkte erhalten. Für diese so genannten Import- und Erzeugerpreise werden ebenfalls monatliche Statistiken veröffentlicht. Sie alle wirken auf die Verbraucherpreise ein, an denen die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Geldpolitik ausrichtet.

Im August hatte die Inflationsrate in Deutschland bei 3,9 Prozent gelegen. Sie war damit so hoch wie zuletzt im Jahr 1993.

Über dieses Thema berichtete die B5 Börsennachrichten am 13. September 2021 um 08:24 Uhr.