Menschen gehen mit Einkaufstaschen durch die Hamburger Innenstadt. | picture alliance/dpa

Vor dem Weihnachtsgeschäft Die Kauflaune schwindet

Stand: 25.11.2021 11:01 Uhr

Vor allem zu größeren Anschaffungen scheinen deutsche Verbraucher immer weniger bereit zu sein. Die zunehmend dramatische Corona-Lage bremst den Konsum - doch sie ist nicht der einzige Grund für Kaufzurückhaltung.

Stark steigende Corona-Infektionen und die hohe Inflation trüben die Kauflaune der Deutschen zunehmend ein. Der Konsumklimaindex der Nürnberger Marktforschungsfirma GfK ist deutlich um 2,6 auf minus 1,6 Punkte gesunken, wie das Marktforschungsunternehmen mitteilte. "Das Konsumklima wird gegenwärtig von zwei Seiten in die Zange genommen", so der GfK-Experte Rolf Bürkl.

Angesichts der hohen Infektionsraten machten sich Sorgen vor weiteren Einschränkungen breit. Außerdem lässt eine hohe Inflationsrate von derzeit 4,5 Prozent die Kaufkraft der Verbraucher Bürkl zufolge dahinschmelzen: "Dies dämpft die Aussichten für das bevorstehende Weihnachtsgeschäft etwas."

Auf Neun-Monats-Tief

Die Neigung zur Anschaffung teurer Güter wie etwa Möbel oder Autos sank auf ein Neun-Monats-Tief - und damit auf den niedrigsten Stand seit Februar 2021. Noch im vergangenen Monat hatte das Konsumklima den höchsten Wert seit April 2020 erreicht.

Der Konsum gilt als eine wichtige Stütze der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland. Für ihre repräsentativen Studien zum Konsumklima führt die GfK monatlich Interviews mit Verbrauchern. Für die aktuelle Erhebung wurden vom 4. bis 15. November rund 2000 Menschen befragt.

"Handbremse für die Wirtschaft"

Mit einem schwächelnden Konsum verschlechtern sich auch die Aussichten für das deutsche Wirtschaftswachstum. Im dritten Quartal hatte Europas größte Volkswirtschaft noch vom Privatkonsum profitiert, der kräftig um 6,2 Prozent zulegte. Insgesamt stieg das Bruttoinlandsprodukt um 1,7 Prozent im Vergleich zum Vorquartal, wie das Statistische Bundesamt heute mitteilte und damit eine frühere Schätzung von 1,8 Prozent leicht revidierte.

Nun aber wirke die vierte Corona-Welle "ähnlich einer Handbremse für die Wirtschaft", sagte Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank. "Selbst wer sein Geld ausgeben will, kann das nicht ohne weiteres tun", glaubt auch Chefökonom Jörg Zeuner von Union Investment. Negativ auf den Konsum wirkten sich auch die anhaltenden Lieferengpässe aus, die das Angebot verknappten. Manche Ökonomen erwarten zum Jahresende allenfalls eine Stagnation der deutschen Wirtschaft - oder sogar ein Schrumpfen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. November 2021 um 10:00 Uhr.