Erdgasspeicher Rehden | picture alliance/dpa

Energiekrise Gasspeicher zu mehr als 80 Prozent befüllt

Stand: 23.08.2022 15:11 Uhr

Trotz der stark reduzierten Liefermengen aus Russland füllen sich die deutschen Gasspeicher zügig. Die Befüllung liegt weiterhin vor dem Zeitplan des Bundes - mit großen regionalen Unterschieden.

Der Füllstand der Erdgasspeicher in Deutschland hat die 80-Prozent-Marke überschritten. Nach Daten des europäischen Verbands der Gasinfrastruktur-Betreiber GIE (Gas Infrastructure Europe) lag der Füllstand am Sonntagmorgen bei 80,14 Prozent.

"Die Gasspeicher in Deutschland werden mit einer bewundernswerten Geschwindigkeit befüllt", sagte der Präsident der Netzagentur, Klaus Müller. Schon heute seien drei Viertel der Speicher zu mehr als 80 Prozent befüllt. Eine Verordnung des Bundes sieht vor, dass die deutschen Speicher am 1. Oktober zu mindestens 85 Prozent gefüllt sein müssen. Zum 1. November müssen es 95 Prozent sein. Die zum 1. September vorgeschriebenen 75 Prozent waren mehr als zwei Wochen früher erreicht worden. Die Speicher gleichen Schwankungen beim Gasverbrauch aus und bilden damit eine Art Puffersystem für den Gasmarkt.

Starke regionale Unterschiede

Obwohl die Befüllung insgesamt gut vorankommt, könnten einige wichtige Speicher die Vorgaben zum Füllstand im Winter verfehlen. "Knapp zwei Handvoll" der Speicher seien bisher nicht gut gefüllt, sagte Müller. Darunter sind strategisch wichtige Standorte im Süden sowie der bundesweit größte Gasspeicher im niedersächsischen Rehden, wo die Befüllung aus physikalischen Gründen nicht schneller vorangetrieben werden könne.

"Darum werden wir nicht für alle Speicher die 95 Prozent garantieren können", sagte der Netzagenturchef. "Aber hier gilt: Jeder Kubikmeter Gas zählt. Dank der Bundesregierung können wir gerade viel Geld investieren, um auch Rehden zu befüllen. Wir tun das mit der maximal möglichen Geschwindigkeit."

Die Bundesnetzagentur hatte den Speicher in Rehden im Frühsommer als Treuhänderin von Gazprom Germania übernommen, der früheren deutschen Tochtergesellschaft des staatlich kontrollierten russischen Energiekonzerns. Damals lag die Befüllung bei weniger als einem Prozent. Mittlerweile ist er zu 60,4 Prozent gefüllt.

"Haushalte werden nicht frieren müssen"

Während also regionale Mangellagen weiterhin nicht ausgeschlossen werden können, zeigen sich Experten zunehmend zuversichtlich, was die Versorgung der Privathaushalte angeht. "Wir kommen mit dem Einspeichern und Sparen gut voran. Ich bin sehr zuversichtlich, dass die privaten Haushalte in diesem Winter nicht frieren müssen", sagte Torsten Frank, Geschäftsführer von Trading Hub Europe, des Zusammenschlusses der Ferngas-Netzbetreiber, der "Rheinischen Post".

Die Befüllung der Gasspeicher bleibt aber weiterhin ein Wettlauf mit der Zeit. Eine große Unbekannte ist die Witterung während der Heizsaison ab Oktober, die einen großen Einfluss auf das Befüllungstempo haben wird.

Die größte Unbekannte bleibt aber die Lieferbereitschaft Russlands. Zuletzt hatte der Staatskonzern Gazprom erneute Wartungsarbeiten an der Ostseepipeline Nord Stream 1 angekündigt. Vom 31. August bis zum 2. September werde daher kein Gas nach Deutschland fließen. Danach sollten täglich wieder 33 Millionen Kubikmeter Erdgas geliefert werden. Das entspricht den 20 Prozent der täglichen Maximalleistung, auf die Russland die Lieferung schon vor einigen Wochen verringert hat.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 23. August 2022 um 10:23 Uhr.