Federal Reserve Bank, Washington, USA

US-Zinsentscheid Fed lässt die Zügel locker

Stand: 17.03.2021 21:40 Uhr

Mit höheren Leitzinsen in Amerika können die Märkte sobald nicht rechnen. Die Notenbank Federal Reserve bestätigte am Abend ihren lockeren geldpolitischen Kurs. An der Wall Street zogen die Kurse moderat an.

Mit großer Spannung hatten die Kapitalmärkte auf die Ergebnisse der Zinssitzung der US-Notenbank gewartet: Und die machte deutlich, dass sie trotz zuletzt aufgekommener Zins- und Inflationsängste an ihrer ultraexpansiven Geldpolitik festhalten wird.

Für Änderungen ist die Zeit noch nicht gekommen

Die Notenbank erwartet, dass die Leitzinsen noch bis mindestens 2023 an der Nullmarke bleiben werden. Konkret beließ die Fed den Leitzins erwartungsgemäß unverändert zwischen 0,00 und 0,25 Prozent. Fed-Chef Jerome Powell machte auf einer Pressekonferenz im Anschluss deutlich, dass es für eine Änderung Geldpolitik noch zu früh sei.

Das betreffe auch die Anleihenkäufe, mit denn die Bank, ähnlich wie die EZB, die Zinsen am Kapitalmarkt niedrig halten will. Derzeit kauft die Fed pro Monat für 80 Milliarden Dollar Staatsanleihen und für 40 Milliarden Dollar hypothekenbesicherte Wertpapiere.

US-Notenbanchef Jerome Powell

Fed-Chef Powell will die Geldpolitik noch nicht ändern.

Insgesamt strebe die Notenbank weiter eine Inflationsrate von zwei Prozent und eine Normalisierung am Arbeitsmarkt an. Zehn Millionen Menschen müssten zudem wieder in Arbeit gebracht werden, so Powell weiter. Schlüssel für die wirtschaftliche Erholung bleibt dabei weiter die Überwindung der Corona-Pandemie.

Höheres Inflationsziel

Powell hat zuletzt immer wieder klar gemacht, dass die Notenbank für die Erreichung dieser Ziele auch bereit sie, ein kurzfristiges Überschießen der Inflation zu tolerieren. Das könnte auch nötig werden, denn für das laufende Jahr rechnet die Fed mit einer Inflationsrate von 2,4 Prozent, wie aus neuen Prognosen hervorgeht. Damit erwarten die Währungshüter einen deutlich stärkeren Anstieg als noch im Dezember, als nur eine Rate von 1,8 Prozent prognostiziert wurde.

Wachstumsziel deutlich angehoben

Zuvor hatte die Fed mitgeteilt, dass sie die Projektionen für die Wirtschaftsleistung und die Inflationsrate in diesem Jahr deutlich angehoben hat. Für das laufende Jahr sieht die Fed die konjunkturelle Entwicklung deutlich positiver als noch im Dezember.

Die Wirtschaftsleistung dürfte laut den Fed-Prognosen im laufenden Jahr wieder kräftig steigen und damit den Corona-Einbruch mehr als wettmachen. Für 2021 rechnen die Währungshüter mit einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes (BIP) um 6,5 Prozent, nachdem im Dezember nur ein Zuwachs um 4,2 Prozent erwartet worden war.

Im vergangenen Jahr war die amerikanische Wirtschaftsleistung wegen der Corona-Krise um 3,5 Prozent geschrumpft und damit so stark wie seit 1946 nach dem Ende des Zeiten Weltkriegs nicht mehr. Die Wachstumserwartung für 2022 wurde von zuvor 3,2 Prozent leicht auf 3,3 angehoben.

Aktienmärkte ziehen an

An der Börse zogen die Aktiennotierungen an, der Dow Jones-Index markierte bei 33.047 Punkten ein neues Rekordhoch und schloss bei 33.015 Zählern. Auch der breiter aufgestellte S&P-500-Index legte 0,3 Prozent auf 3974 Punkte zu und erreichte in der Spitze bei 3983 Zählern knapp ein weiteres Rekordhoch. An der Technologiebörse Nasdaq ging es rund 0,4 Prozent bergauf. Die Kurssteigerungen hielten sich damit in Grenzen, gleichwohl behauptete der Markt sein hohes Niveau.

Dies trotz der in naher Zukunft zu erwartenden höheren Zins- und Inflationsraten, die ein Risiko für die Börse bleiben. Zehnjährige Staatsanleihen notieren derzeit mit Renditen von von über 1,6 Prozent so hoch wie seit Anfang 2020 nicht mehr. Experten halten einen Renditeanstieg von bis zu 2,00 Prozent für möglich.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 18. März 2021 um 00:27 Uhr.