EZB-Präsidentin Christine Lagarde spricht bei einer Pressekonferenz | EPA

Trotz hoher Inflation EZB belässt Leitzins bei null Prozent

Stand: 28.10.2021 14:37 Uhr

Die Europäische Zentralbank (EZB) hält trotz hoher Preissteigerungsraten an ihrer Strategie fest. Leitzins und Anleihekäufe bleiben unverändert.

Die Europäische Zentralbank (EZB) verändert den Leitzins und den Umfang ihrer Anleihekäufe vorerst nicht. Damit lassen sich die Notenbanker von der derzeit hohen Inflation nicht beeindrucken.

Der geldpolitische Rat der EZB unter der Leitung von Präsidentin Christine Lagarde ließ auf seiner turnusgemäßen Sitzung den zentralen Leitzins unverändert bei historisch niedrigen 0,0 Prozent - nunmehr seit März 2016. Auch den Einlagenzins für Banken bleibt nach der Entscheidung der EZB bei minus 0,5 Prozent. Bei kurzfristigen Kapitalspritzen und sogenannten Übernachtkrediten werden wie bisher 0,25 Prozent Zinsen fällig. Ebenso wird das Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP) zum Kauf von Staats- und Unternehmensanleihen im Wert von 1,85 Billionen Euro vorerst nicht geändert. 

Zwei Prozent Inflation als Zielmarke

Eine Entscheidung über die weitere Zukunft des Programms mit dem Kürzel PEPP wird für die Ratssitzung im Dezember erwartet, wenn neue Prognosen zu Konjunktur und Geldentwertung vorliegen.

Seit Monaten klettert die Inflation sowohl in Deutschland als auch im Euroraum nach oben. Im September lag die Teuerungsrate im Währungsraum bei 3,4 Prozent. Das ist der höchste Stand seit 13 Jahren. In Deutschland erreichte die Inflation nach vorläufigen Berechnungen im Oktober sogar 4,5 Prozent. Die EZB strebt für den Euroraum mittelfristig eine jährliche Rate von zwei Prozent an.

Einfluss der Mehrwertsteuer-Erhöhung

Führende Vertreter der Notenbank erklären den Anstieg der Verbraucherpreise mit Sonderfaktoren wie der Erholung der Ölpreise nach dem Wirtschaftseinbruch im vergangenen Jahr. Auch die Rückkehr zu den üblichen Mehrwertsteuersätzen in Europas größter Volkswirtschaft Deutschland zu Beginn dieses Jahres wird für den Anstieg der Teuerung im Euroraum mitverantwortlich gemacht.

Die Sitzung am Donnerstag ist die erste nach der Rücktrittsankündigung von Bundesbank-Präsident Jens Weidmann, der als Kritiker einer expansiven Geldpolitik gilt und der wiederholt vor hohen Inflationsraten gewarnt hatte. Weidmann will Ende des Jahres sein Amt abgeben.

Über dieses Thema berichtete mdr aktuell am 28. Oktober 2021 um 14:36 Uhr.