Containerschiffe werden im Hamburger be- und entladen | dpa

Materialmangel Exporte sinken erstmals seit 15 Monaten

Stand: 08.10.2021 10:29 Uhr

Materialengpässe und gestörte Lieferketten sorgen zum ersten Mal seit 15 Monaten für sinkende Exportzahlen. Unternehmen und Experten erwarten nun einen "schwierigen Herbst".

Die lange Serie von Zuwächsen bei den deutschen Exporten ist im August angesichts von Materialengpässen und gestörten Lieferketten gerissen: Nach 15 Monaten mit kontinuierlichem Wachstum sanken die Ausfuhren deutscher Unternehmen im August kalender- und saisonbereinigt um 1,2 Prozent im Vergleich zum Vormonat Juli. Das teilte das Statistische Bundesamt mit.

In den Vormonaten Juni und Juli verzeichneten deutsche Exporteure - verglichen mit dem jeweiligen Vormonat - noch ein Plus. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten für den August mit einem weiteren Wachstum gerechnet.

Nach Einschätzung des Industrieverbandes BDI muss sich die deutsche Wirtschaft auf einen schwierigen Herbst einstellen: "Probleme in globalen Lieferketten, hohe Logistikkosten und ungeklärte Handelsstreitigkeiten verdunkeln den Konjunkturhimmel und haben in der Folge massive Auswirkungen auf die Exporte", sagte Joachim Lang, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI).

Halbleitermangel trifft auch Export

Hauptgrund für den Rückgang ist das Fehlen wichtiger Vorprodukte, darunter insbesondere Halbleiter. Darum musste die deutsche Industrie ihre Produktion zuletzt trotz voller Auftragsbücher stark drosseln - und auch die die neuen Bestellungen gingen zurück. Die Folgen des Materialmangels und der Lieferengpässe zeigen sich unter anderem bei Maschinenbau-Firmen und in der Autoproduktion. So stehen bei Autokonzernen immer wieder die Bänder still, zuletzt mussten einige Hersteller die Kurzarbeit verlängern. Außerdem behindern die anhaltenden Staus an Häfen und fehlende Containerkapazitäten die Exporte zusätzlich.

Insgesamt verkauften die Unternehmen im August Waren im Wert von 104,4 Milliarden Euro ins Ausland. Im Vergleich zum August 2020, der vor allem durch die Corona-Krise geprägt war, ist das eine Plus von fast 15 Prozent.

Wichtigster Abnehmer ist die USA

Besonders innerhalb der EU konnten deutsche Firmen ihren Absatz steigern: Dort nahm das Auslandsgeschäft um 15,7 Prozent auf 55,7 Milliarden Euro zu. Auch die Ausfuhren zum wichtigsten Exportkunden USA wuchsen um 22,4 Prozent auf 9,4 Milliarden Euro. Auf dem wichtigen chinesischen Markt konnten deutsche Unternehmen ebenfalls ein Plus um 4,4 Prozent auf 7,6 Milliarden Euro verzeichnen.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hatte seine Exportprognose aufgrund der Erholung auf dem chinesischen und amerikanischen Markt zuletzt erhöht. Deutsche Firmen dürften demnach 2021 acht Prozent mehr ausführen. In der ersten acht Monaten des Jahres lag das Plus bei 15,9 Prozent, wobei sich die Ausfuhren auf 892,7 Milliarden Euro summierten. Wegen der Corona-Krise waren die Exporte 2020 um mehr als neun Prozent eingebrochen.

Über dieses Thema berichtete BR24 im Radio am 08. Oktober 2021 um 09:20 Uhr.