Containerschiff im Hamburger Hafen | dpa

Handelsbilanz im Mai Dämpfer für deutsche Exporteure

Stand: 04.07.2022 11:07 Uhr

Die Ausfuhren deutscher Firmen sind im Mai im Vergleich zum April gesunken. Erstmals seit 2008 wurde mehr importiert als exportiert. Warum legten aber die Exporte nach Russland kräftig zu?

Deutschlands Exporte sind im Mai im Vergleich zum April leicht gesunken. Sie schrumpften um 0,5 Prozent auf 125,8 Milliarden Euro, wie das das Statistische Bundesamt mitteilte. Fachleute hatten mit einem leichten Plus gerechnet. Die Einfuhren nach Deutschland legten dagegen im gleichen Zeitraum um 2,7 Prozent auf 126,7 Milliarden Euro zu. Die Außenhandelsbilanz war somit negativ und lag im Mai bei minus 0,9 Milliarde Euro. 

Der Rückgang hänge mit Angebotsengpässen zusammen, sagte David Kohl, Chefvolkswirt bei Julius Bär gegenüber tagesschau24. Die Nachfrage sei robust, aber die Unternehmen könnten nicht in allen Bereichen liefern, da die Produktmengen etwa wegen Lieferengpässen geringer ausfielen, so der Experte.      

Es ist das erste Mal seit Januar 2008, dass Deutschlands Außenhandelsbilanz negativ ist. Vor diesem Datum hat das Statistische Bundesamt keine Vergleichszahlen, weil damals die Statistik umgestellt wurde. Deutschland stand jahrelang wegen seines hohen Exportüberschusses in der Kritik. 

Warum steigen Exporte nach Russland?   

Auffallend an den jüngsten Exportdaten sind die gestiegenen Ausfuhren nach Russland. Sie legten trotz der Sanktionen gegen das Land nach dem Angriff auf die Ukraine und nach Maßnahmen zur Exportbeschränkung im Mai gegenüber dem April um 29,4 Prozent auf 1,0 Milliarden Euro zu. Im März und April waren sie noch massiv gesunken. Die Importe aus dem Land verringerten sich gegenüber dem Vormonat um 9,8 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro. Russland liefert vor allem Rohstoffe und Energie.

"Der Grund für die gestiegenen Exporte nach Russland sind zum Teil die gestiegenen Preise", erklärt Dirk Mohr von Destatis gegenüber tagesschau.de. Aber verantwortlich für den Anstieg sind insbesondere die Exporte von pharmazeutischen Erzeugnissen, die von den Sanktionen ausgenommen sind."

Die meisten Exporte gehen in die USA

In die Mitgliedstaaten der EU exportierten deutsche Unternehmen Waren im Wert von 67,5 Milliarden Euro, ein Rückgang im Vergleich zum April um 2,8 Prozent. Die Ausfuhren in Drittstaaten dagegen nahmen zu: Sie wuchsen im Vergleich zum April um 2,3 Prozent auf 58,3 Milliarden Euro. Die meisten deutschen Exporte gingen demnach in die USA. Der Wert stieg um 5,7 Prozent im Vergleich zum April auf 13,4 Milliarden Euro. Die Ausfuhren nach China legten um 0,5 Prozent auf 8,7 Milliarden Euro zu. 

Im Vergleich zum Mai 2021 stiegen die Ausfuhren im Mai des laufenden Jahres um 11,7 Prozent auf 125,8 Milliarden Euro. Die Einfuhren legten im Vergleich zum Vorjahresmonat um 27,8 Prozent auf 126,7 Milliarden Euro zu. Die Exporte nach Russland brachen im Vorjahresvergleich um 54,6 Prozent ein.

Aus der Volksrepublik China kamen im Mai die meisten Importe im Wert von 18,0 Milliarden Euro. Das waren allerdings 1,6 Prozent weniger als im April. Aus den USA wurden Waren im Wert von 7,4 Milliarden Euro nach Deutschland geliefert, ein Plus von 9,7 Prozent. 

   

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 04. Juli 2022 um 09:00 Uhr sowie Deutschlandfunk um 11:00 Uhr.