Containerschiffe werden im Hamburger be- und entladen | dpa

Außenhandel im Februar Deutsche Exporte steigen kräftig

Stand: 04.04.2022 10:03 Uhr

Obwohl der Ukraine-Krieg den Außenhandel erst seit Ende Februar einschränkt, ist der deutsche Handel mit Russland bereits im Februar stark zurückgegangen. Dennoch stiegen die Gesamtexporte Deutschlands auf ein Rekordniveau.

Trotz Lieferengpässen und des bereits einbrechenden Russland-Geschäfts hat Deutschland seine Export im Februar kräftig gesteigert. Ausgeführt wurden Waren im Wert von 124,7 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Das waren 14,3 Prozent mehr als im Februar 2021 und damit eine neue Bestmarke.

Gegenüber dem Vormonat Januar legten die Ausfuhren kalender- und saisonbereinigt um 6,4 Prozent zu. Auch die Importe stiegen im Vorjahresvergleich um 24,6 Prozent auf einen Rekordwert von 113,1 Milliarden Euro. Gegenüber Januar war das ein Plus von 4,5 Prozent, nachdem sie zu Jahresbeginn noch um 4,0 Prozent gefallen waren.

Handel mit Russland ging bereits im Februar zurück

Die Außenhandelsbilanz schloss damit den Februar mit einem Überschuss von 11,5 Milliarden Euro ab. Die deutschen Ausfuhren in die EU-Staaten legten um 10,4 Prozent im Vergleich zum Vormonat zu, die zum wichtigsten Handelspartner China um 6,4 Prozent und die in die USA um 2,7 Prozent.

Der Angriff Russlands auf die Ukraine Ende Februar und die in der Folge verhängten Sanktionen des Westens gegen Moskau werden sich nach Einschätzung der Wiesbadener Behörde erst im März in den Zahlen herauslesen lassen: "Inwieweit sich die Sanktionen, andere Maßnahmen zur Exportbeschränkung und nicht sanktioniertes Verhalten der Marktteilnehmer auf den deutschen Außenhandel mit der Russischen Föderation weiter auswirken, werden voraussichtlich die Zahlen der Außenhandelsstatistik ab dem Berichtsmonat März detailliert zeigen", erklärte das Bundesamt weiter. 

Dennoch ging der Handel mit Russland nach Angaben der Statistiker schon im Februar "deutlich" zurück. Im Vergleich zum Vormonat Januar nahmen die Exporte nach Russland um 6,3 Prozent und die Importe aus Russland um 7,3 Prozent ab.

Exportmotor könnte ins Stottern geraten

Im vergangenen Jahr hatten Deutschlands Exporteure den Einbruch in der Corona-Krise mit einem Rekordergebnis mehr als wettgemacht. In diesem Jahr drohen die wirtschaftlichen Folgen des Ukraine-Kriegs und die Sanktionen den deutschen Exportmotor ins Stottern zu bringen. "Die negativen Außenhandelsdaten mit der Russischen Föderation im Februar sind vermutlich noch verhältnismäßig gut im Vergleich zu dem, was in den kommenden Monaten veröffentlicht wird", sagte der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel. "Der Russland-Handel wird regelrecht einbrechen."

Neben direkten Einbußen im Geschäft mit Russland und der Ukraine dürfte Ökonomen zufolge auch eine Verschärfung der Lieferengpässe und der Mangel bei Vorprodukten bremsend wirken. Können Unternehmen weniger produzieren, kann auch weniger ausgeführt werden.

Die Stimmung unter den deutschen Exporteuren ist nach Ausbruch des Krieges in der Ukraine am 24. Februar allerdings eingebrochen: Das Barometer für die Exporterwartungen stürzte im März auf minus 2,3 Punkte ab, nachdem es im Februar noch bei plus 17,0 Zähler gelegen hatte, wie das ifo-Institut bei seiner monatlichen Unternehmensumfrage herausfand. Einen stärkeren Rückgang gab es bisher nur zu Beginn der Corona-Krise im April 2020.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 04. April 2022 um 11:00 Uhr.