Containerschiffe und Kräne im Hamburger Hafen. | dpa

Corona belastet Ausfuhren Größter Exporteinbruch seit 2009

Stand: 09.02.2021 09:53 Uhr

Die Pandemie hat die deutsche Exportwirtschaft im vergangenen Jahr stark belastet. Der Rückgang um 9,3 Prozent bei den Ausfuhren war der größte Einbruch seit der Finanzkrise. Allerdings zeigt der Trend aufwärts.

Die deutschen Exporte sind im vergangenen Jahr wegen der Corona-Pandemie so stark eingebrochen wie seit der Finanzkrise nicht mehr. Sie sanken um 9,3 Prozent auf 1,205 Billionen Euro, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte.

Im Jahr 2009 inmitten der Hypotheken- und Finanzkrise hatte das Minus 18,4 Prozent betragen. 2020 sanken die Ausfuhren erstmals seit 2013 wieder. Auch die Importe gingen im vergangenen Jahr so stark wie seit 2009 nicht mehr zurück, und zwar um 7,1 Prozent auf 1,026 Billionen Euro.

Einbrüche im Frühjahr verdarben die Bilanz

"'Made in Germany' war im Krisenjahr 2020 wenig gefragt", sagte der Chefvolkswirt von Union Investment, Jörg Zeuner. "Das Minus im Export wäre aber noch größer ausgefallen, hätten deutsche Exporteure nicht von der zügigen Erholung der chinesischen Wirtschaft profitiert."

Vor allem die Einbrüche in den Monaten März und April sorgten für die schwache Jahresbilanz. Danach legten die Ausfuhren acht Monate in Folge zu - zuletzt im Dezember um 0,1 Prozent zum Vormonat. Das war mehr als viele Experten erwartet hatten. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten hier mit einem erneuten Rückgang um 1,0 Prozent gerechnet.

Handel mit China und den USA kommt in Schwung

Dazu trugen vor allem die Geschäfte mit den beiden weltgrößten Volkswirtschaften bei: Die Exporte in die Volksrepublik China wuchsen im Dezember um 11,6 Prozent zum Vorjahresmonat auf 9,3 Milliarden Euro, die in die USA legten um 8,4 Prozent auf 9,2 Milliarden zu. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass sich das Auslandsgeschäft in diesem Jahr belebt.

Die von vielen Experten vorausgesagte Erholung der Weltwirtschaft vom Rezessionsjahr 2020 dürfte den Exporteuren in die Karten spielen. Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe etwa rechnet für Deutschland mit einer positiven Entwicklung ab dem Frühjahr: "Mit deutlich lockeren Lockdown-Maßnahmen ab April dürfte der Erholungsweg in Europa wieder stärker beschritten werden. Der Daumen für den Exportsektor bleibt trotz Pandemiebelastung nach oben gerichtet."

Stolpersteine für eine Belebung des weltweiten Handels bleiben aber ebenfalls bestehen, zum Beispiel durch Lieferengpässe auf dem Chipmarkt: "Halbleiter sind derzeit knapp und führen zu Produktionsschwierigkeiten, was schließlich auch die Exporte belasten wird", so der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel. "Gleichzeitig führen knappe Container-Kapazitäten auf den Weltmeeren zu Lieferschwierigkeiten." Die hochvernetzten globalen Produktionsketten seien jedoch auf einen reibungslosen Warenfluss angewiesen. Die deutsche Exportwirtschaft müsse also im ersten Quartal auch noch logistische Hürden überwinden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. Februar 2021 um 11:00 Uhr in den Nachrichten.

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