Euro-Banknoten liegen versetzt aufeinander | dpa

Konjunkturprognose EU erwartet Inflation von 7,6 Prozent

Stand: 14.07.2022 12:50 Uhr

Die Preise in der Eurozone werden in diesem Jahr so stark steigen wie noch nie. Die EU-Kommission sagt nun eine Teuerung von 7,6 Prozent voraus. Die Wirtschaft werde langsamer wachsen als zuletzt erwartet.

Die Folgen des russischen Angriffs auf die Ukraine treiben die Teuerungsrate nach Einschätzung der EU-Kommission auf ein Rekordniveau und verlangsamen die wirtschaftliche Erholung. Die Behörde erwartet laut ihrer in Brüssel vorgelegten Sommerprognose für 2022 eine Inflationsrate von 7,6 Prozent in der Eurozone. Sie korrigierte damit ihre Schätzung vom Mai nochmals um 1,5 Prozentpunkte nach oben. Dies geschah auch vor dem Hintergrund, dass die Teuerungsrate im Juni mit 8,6 Prozent einen neuen Höchstwert erreicht hatte.

"Schockwellen" für die Weltwirtschaft

Auch das Wirtschaftswachstum in Europa leidet unter den Folgen des Ukraine-Kriegs. Die EU-Kommission rechnet nun für das laufenden Jahr noch mit einem Plus des Bruttoinlandsprodukts von 2,6 Prozent. Für 2023 sagt sie den Ländern der Euro-Zone nur noch ein geringes Wirtschaftswachstum von 1,4 Prozent voraus.

EU-Wirtschafts- und Währungskommissar Paolo Gentiloni sieht die Folgen des Ukraine-Kriegs als Hauptgrund der Entwicklung. "Russlands grundlose Invasion der Ukraine sendet weiter Schockwellen durch die Weltwirtschaft." Dadurch würden die Energie- und Getreideversorgung durcheinandergebracht. In der Folge stiegen die Preise, und das Vertrauen leide. In Europa habe das Hochfahren der Wirtschaft nach der Corona-Pandemie zwar das Wachstum angekurbelt. Doch trotz einer vielversprechend angelaufenen Urlaubssaison im Sommer sei für die zweite Jahreshälfte nur mit einer gedämpften Wirtschaftsaktivität zu rechnen.

EU-Konjunktur in Putins Hand

Die EU räumt in ihrer Prognose ein, dass es der russische Präsident Wladimir Putin in den kommenden Monaten in der Hand habe, die EU-Wirtschaft aus dem Tritt zu bringen. Die Prognosen der wirtschaftlichen Aktivität und der Inflation seien abhängig von der Entwicklung des Kriegs in der Ukraine "und insbesondere seinen Folgen auf die Gasversorgung Europas", hieß es in einer Erklärung. Aber auch die noch nicht ausgestandene Corona-Pandemie könne für weiteren Abschwung sorgen.

Für Deutschland erwartet die EU-Kommission 2022 eine Teuerungsrate von 7,9 Prozent und für 2023 von 4,8 Prozent. Ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum schraubte sie zugleich für dieses Jahr auf 1,4 Prozent zurück. Für 2023 erwartet sie ein Plus des deutschen Bruttoinlandsprodukt von 1,3 Prozent.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. Juli 2022 um 13:00 Uhr.