Ein Brenner und Maschinenführer arbeitet mit Plasmaschneidgerät in einer Schiffbauhalle | dpa

Mehr als vier Prozent Wachstum EU-Kommission erhöht Konjunkturprognose

Stand: 12.05.2021 13:19 Uhr

Die europäische Wirtschaft wird sich im laufenden Jahr offenbar noch stärker von den Folgen der Pandemie erholen als bisher erwartet. Doch zwei Probleme bleiben.

Die Wirtschaft im Euroraum wird nach Einschätzung der EU-Kommission dieses und kommendes Jahr schneller wachsen als zuletzt vorausgesagt. "Es wird erwartet, dass sich die Wirtschaft in der EU und im Euroraum stark erholen wird, wenn die Impfraten steigen und die Beschränkungen gelockert werden", erklärte die EU-Kommission am Mittwoch. Die Brüsseler Behörde rechnet in den 27 EU-Staaten für 2021 nun mit 4,2 Prozent Wachstum, in den 19 Staaten der Eurozone mit 4,3 Prozent. Für 2022 wird sowohl für die EU als auch für die Eurozone ein Plus von 4,4 Prozent vorhergesagt.

Noch Mitte Februar hatte Kommission schwächere Werte prognostiziert. Damals hieß es, die Wirtschaftsleistung in der in der EU werde dieses Jahr um 3,7 Prozent steigen und in der Eurozone um 3,8 Prozent. Für 2022 wurden 3,9 Prozent Wachstum für die EU und 3,8 Prozent für die Eurozone prognostiziert. Bis Ende des kommenden Jahres soll demnach in allen Mitgliedstaaten der Währungsunion das Vorkrisenniveau wieder erreicht sein.

"Dieses Wachstum wird durch den privaten Konsum, Investitionen und eine steigende Nachfrage nach EU-Exporten durch eine erstarkende Weltwirtschaft angetrieben", erklärte die Kommission. Demnach werden die öffentlichen Investitionen im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung im Jahr 2022 voraussichtlich den höchsten Stand seit über zehn Jahren erreichen. Als Hauptgrund dafür nennt Brüssel den Corona-Wiederaufbaufonds der EU. "Der Schatten von Covid-19 hebt sich langsam von der europäischen Wirtschaft", erklärte EU-Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni. Die beispiellose Finanzhilfe bleibe aber zur Unterstützung von Unternehmen und Arbeitnehmern weiter wichtig.

Schulden und Arbeitslosigkeit vor Krisenhoch

Doch der Wirtschaftseinbruch insbesondere im vergangenen Jahr hat Spuren bei der finanziellen Solidität hinterlassen. Die Verschuldungsquote der Länder der Eurozone werde 2021 mit über 102 Prozent der Wirtschaftsleistung voraussichtlich auf einen neuen Höchststand zulegen. Im vergangenen Jahr hatte die Gesamtverschuldung der Euroländer bereits 100 Prozent der Wirtschaftsleistung der Eurozone erreicht. Im kommenden soll der Wert wieder leicht auf 100,8 Prozent sinken.

Am tiefsten in den roten Zahlen steckt weiterhin Griechenland mit für dieses Jahr erwarteten Gesamtschulden in Höhe von 208,8 Prozent seines Bruttoinlandsproduktes. An zweiter Stelle liegt Italien mit knapp 160 Prozent.

Auch bei der Arbeitslosigkeit rechnet Brüssel damit, dass sie im Jahr 2021 auf ihren Höchststand in der Krise steigt. In der gesamten EU erwartet die Kommission einen Anstieg auf 7,6 Prozent von 7,1 Prozent im Vorjahr. 2022 wird sich die Lage am Arbeitsmarkt der Prognose zufolge wieder entspannen, die Arbeitslosigkeit aber noch nicht wieder das Niveau vor der Pandemie erreichen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk in den Nachrichten am 12. Mai 2021 um 12:00 Uhr.