Flaggen der Europäischen Union wehen im Wind vor dem Berlaymont-Gebäude, dem Sitz der Europäischen Kommission. | dpa

Bessere Konjunkturaussichten EU-Wirtschaft erholt sich schnell

Stand: 11.11.2021 13:23 Uhr

Der Aufschwung in Deutschland droht zum Jahresende abgewürgt zu werden. Doch für die Europäische Union insgesamt erwartet die EU-Kommission ein stärkeres Wirtschaftswachstum als bislang gedacht.

Die Wirtschaft in der Europäischen Union und in den Euro-Staaten erholt sich schneller als erwartet von der Corona-Pandemie. Die EU-Kommission hob ihre aktuelle Wachstumsprognose für die Eurozone für dieses Jahr auf 5,0 Prozent an. Zuvor hatte die Kommission mit einem Anstieg der Wirtschaftsleistung der Länder mit der Gemeinschaftswährung von 4,8 Prozent gerechnet.

Auch für die gesamte EU rechnet die Kommission mit einem Wachstum von 5,0 Prozent in diesem Jahr. Die EU-Wirtschaft habe im dritten Quartal 2021 wieder die Wirtschaftsleistung von vor der Pandemie erreicht und sei "von der Erholung zum Wachstum übergegangen", hieß es.

Für kommendes Jahr rechnet die EU-Kommission in ihrer Herbstprognose mit einer Wachstumsrate von 4,3 Prozent in der Eurozone. Das ist eine leichte Absenkung um 0,2 Punkte.

Deutschlands Industrie anfällig für Materialmangel   

Damit liegt der Wirtschaftsausblick für die EU deutlich über den erwarteten Zahlen für die Bundesrepublik. Für 2021 wird hierzulande mit einem Wirtschaftswachstum von lediglich 2,7 Prozent gerechnet, für 2022 dann mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 4,6 Prozent.

Das schwächere Wachstum Deutschlands hängt damit zusammen, dass der Konjunktureinbruch im vergangenen Jahr mit minus fünf Prozent lange nicht so stark ausfiel wie in anderen wichtigen EU-Volkswirtschaften. Entsprechend geringer ist nun der prozentuale Zuwachs. In Frankreich schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt 2020 beispielsweise um mehr als acht Prozent, in Spanien, der viertgrößten Wirtschaft der EU, lag das Minus bei elf Prozent.

Außerdem spielt in Deutschland der Industriesektor eine größere Rolle. Deshalb wirken sich Lieferkettenprobleme und Materialmangel stärker und wachstumshemmender aus als in anderen Ländern.

             

Inflationsdruck bleibt hoch   

Weniger positiv sind die Inflationsaussichten. Der hohe Druck durch die stark gestiegene Inflation in der Euro-Zone wird nach der Prognose der EU-Kommission im kommenden Jahr nur leicht nachlassen.

Die Brüsseler Behörde sagt nun für 2021 eine Preissteigerungsrate von 2,4 Prozent voraus. Damit läge sie über dem Ziel der Europäischen Zentralbank, die 2,0 Prozent als ideal für die Konjunktur anstrebt. 2022 dürfte die Inflationsrate laut EU-Kommission noch über diesem Wert liegen, auch wenn sie mit 2,2 Prozent dann etwas schwächer ausfallen dürfte.

Mit Entwarnung rechnet Brüssel erst 2023: Dann soll sich der Preisdruck nur noch mäßig um 1,4 Prozent erhöhen. Für Deutschland erwartet die Brüsseler Behörde, dass 2021 sogar eine stark erhöhte Inflationsrate von 3,1 Prozent erreicht wird, die nächstes Jahr auf 2,2 Prozent und 2023 auf dann 1,7 Prozent zurückgehen wird.

Die Inflation im Euro-Raum war im Oktober so stark geklettert wie seit über 13 Jahren nicht mehr. Angetrieben von einem kräftigen Kostenanstieg bei der Energie erhöhten sich die Verbraucherpreise binnen Jahresfrist um 4,1 Prozent.