Fertigung einer Turbine bei MAN | dpa

Inflations-Vorbote Erzeugerpreise ziehen massiv an

Stand: 20.07.2021 10:15 Uhr

Die Erzeugerpreise steigen in Deutschland so stark wie zuletzt während der zweiten Ölkrise im Jahr 1982. Das deutet darauf hin, dass die Verbraucher mit einer anhaltend starken Inflation rechnen müssen.     

Der Preisauftrieb in Deutschland bleibt hoch. Im Juni stiegen die Produzentenpreise gegenüber dem Vorjahresmonat um 8,5 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Das sei der stärkste Zuwachs seit der zweiten Ölkrise im Jahr 1982. Zum Vormonat erhöhten sich die Preise, die Hersteller für Waren erhalten oder zahlen müssen, um 1,3 Prozent.

Hauptverantwortlich für den Anstieg sei die Preisentwicklung bei Vorleistungsgütern und Energie gewesen, erklärte das Statistikamt. Vorleistungsgüter, also Vorprodukte für die Fertigung, verteuerten sich auf Jahressicht um 12,7 Prozent, Energie war im Schnitt 16,9 Prozent teurer.

"Hauptgründe für den starken Anstieg der Stahl- und Holzpreise dürften die hohe Nachfrage im In- und Ausland sowie Probleme in der Versorgung mit Rohstoffen sein", hieß es. Bei Energie wirkt vor allem ein statistischer Basiseffekt, da die Energiepreise in der ersten Corona-Welle im Frühjahr 2020 stark gefallen waren.

Inflation in den USA schon über 5 Prozent

Die Produzentenpreise gelten als Frühindikator für die Entwicklung der Inflation. In der Statistik werden die Preise ab Fabrik geführt, also in der Regel bevor die Produkte weiterverarbeitet werden oder in den Handel kommen. Sie können damit wichtige Hinweise darauf geben, wie sich später die Verbraucherpreise entwickeln.

Viele Ökonomen sind mittlerweile der Ansicht, dass ein Teil des Anstiegs der Erzeugerpreise in den kommenden Monaten auch beim Verbraucher ankommen wird. Deutschland und die Welt verzeichnen schon seit längerer Zeit eine steigende Inflation. Im Juni war sie hierzulande um 2,3 Prozent gestiegen, im Mai mit 2,5 Prozent sogar so kräftig wie seit annähernd zehn Jahren nicht mehr. In den USA war sie im Juni sogar um 5,4 Prozent geklettert.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. Juli 2021 um 13:36 Uhr.