Holzstämme liegen sortiert in einem Holzlager | picture alliance/dpa

Stärkster Anstieg seit 1951 Erzeugerpreise legen erneut zu

Stand: 19.11.2021 12:17 Uhr

Die Erzeugerpreise, die als Indikator für die Inflation gelten, bleiben auf Rekordjagd. Allein im Oktober sind sie um mehr als 18 Prozent in die Höhe geschossen - und damit stärker als in der Ölkrise.

Der Preisauftrieb in Deutschland schreitet immer weiter voran: Im Oktober kletterten die Preise für gewerbliche Produkte so stark an wie seit 70 Jahren nicht mehr. Gegenüber dem Vorjahresmonat seien die Erzeugerpreise um 18,4 Prozent gestiegen, teilte das Statistische Bundesamt heute mit. Das ist der stärkste Zuwachs seit November 1951.

Auch zum Vormonat September verzeichneten die gewerblichen Erzeugerpreise ein Plus von 3,8 Prozent. Die Produzentenpreise gelten als Frühindikator für die Entwicklung der Inflation, die derzeit so hoch liegt wie vor 28 Jahren.

Vor allem Energie, Holz und Metall teurer

Haupttreiber für die Entwicklung waren Preissprünge bei Energie, die im Oktober im Durchschnitt um 48,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat zulegten. Allein gegenüber dem Vormonat stiegen die Energiepreise um gut zwölf Prozent. Besonders deutlich verteuerten sich Erdgas (plus 81,4 Prozent) und elektrischer Strom (49,6 Prozent).

Darüber hinaus kosteten viele Vorleistungsgüter wie Holz und Metall mit einem Plus von rund 18 Prozent deutlich mehr. Ursachen dafür sind zahlreiche Verspannungen im internationalen Warenhandel, die überwiegend auf die Corona-Pandemie zurückgehen. Am stärksten stiegen die Preise für nichtmetallische Sekundärrohstoffe (plus 95,7 Prozent), Nadelschnittholz (plus 91,8 Prozent) sowie Verpackungsmittel aus Holz (plus 82 Prozent).

Was passiert mit der Inflation?

In der Statistik werden die Erzeugerpreise ab Fabriktor geführt - also bevor die Produkte weiterverarbeitet werden oder in den Handel kommen. Sie können damit einen frühen Hinweis auf die Entwicklung der Verbraucherpreise geben. Die Inflationsrate liegt aktuell mit 4,5 Prozent bereits so hoch wie seit 1993 nicht mehr und deutlich über der Zielmarke von zwei Prozent. Bis Jahresende könnte sie sich Ökonomen zufolge in Richtung fünf Prozent bewegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hält den Preisauftrieb für eine vorübergehende Situation und erwartet eine Absenkung im Laufe des kommenden Jahres.

Die Inflation auf Verbraucherpreisebene dürfte nicht so schnell fallen, wie die EZB dies derzeit erwartet, sagte LBBW-Analyst Niklasch. Er gehe davon aus, dass die Unternehmen zumindest einen Teil der dadurch entstehenden Kosten an die Endverbraucher weitergeben. "Inflation dürfte damit auch 2022 ein beherrschendes Thema bleiben."

Die Statistiker erklärten: "Hauptverantwortlich für den Anstieg der gewerblichen Erzeugerpreise gegenüber Oktober 2020 war die Preisentwicklung bei Energie." Sie verteuerte sich um durchschnittlich 48,2 Prozent, allein zum Vormonat um gut zwölf Prozent. Klammert man Energie aus, lagen die Erzeugerpreise insgesamt nur 9,2 Prozent über dem Vorjahr.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 19. November 2021 um 09:00 Uhr in der Börse.