Ein Mitarbeiter steht vor einem Regal mit Kaffee in einem Tchibo-Geschäft. | picture alliance / dpa

Steigende Erzeugerpreise Was sich am schnellsten verteuert

Stand: 20.04.2022 11:19 Uhr

Die Erzeugerpreise sind im März so stark gestiegen wie noch nie seit Beginn der Erhebung im Jahr 1949. Diese Entwicklung zeigt: Verbraucher müssen sich nicht nur bei Heizöl und Gas auf weitere hohe Preissteigerungen einstellen.

Die deutschen Unternehmen haben ihre Preise nach dem Kriegsbeginn in der Ukraine in Rekordtempo angehoben. Die Erzeugerpreise gewerblicher Produkte stiegen im März um durchschnittlich 30,9 Prozent im Vergleich zum März 2021.

Dem Statistischen Bundesamt zufolge handelt es sich um den stärksten Anstieg "seit Beginn der Erhebung im Jahr 1949". Im Februar hatte die Steigerungsrate noch bei 25,9 Prozent gelegen. "Die aktuellen Daten spiegeln bereits erste Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine wider", so die Statistiker.

Wichtiger Frühindikator für die Inflationsrate

Das sind schlechte Nachrichten für die Konsumenten, die sich auf anhaltend hohe Preissteigerungen einstellen müssen. Experten rechnen damit, dass der Handel einen größeren Teil der Kosten an die Endverbraucher "überwälzen", sprich: weitergeben dürfte.

Die Erzeugerpreise gelten als wichtiger Frühindikator für die Entwicklung der Verbraucherpreise. Sie stoßen nur meist auf weit weniger mediales Interesse, weshalb sie zuweilen auch als "versteckte Inflation" bezeichnet werden. Aktuell ist die Inflationsrate in Deutschland mit 7,3 Prozent bereits so hoch wie seit 1981 nicht mehr.

Heizöl und Erdgas mit hohen Preisschüben

Hauptverantwortlich für den Preisschub bei den Erzeugerpreisen ist weiter die Entwicklung bei der Energie. Die Energiepreise lagen im März 84 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Erdgas war sogar 145 Prozent teurer, Heizöl kostete 131 Prozent mehr. Klammert man Energie aus, lagen die Erzeugerpreise insgesamt um 14 Prozent über dem Vorjahreswert.

Der Preiszuwachs bei Nahrungsmitteln war mit einem Plus von 12,2 Prozent im März zwar unterdurchschnittlich. Dennoch ragten die Preise einzelner Nahrungsmittel mit besonders hohen Steigerungsraten heraus.

Kaffee beschleunigt Preisanstieg

Besonders stark stiegen die Preise für nicht behandelte pflanzliche Öle, sie zogen um 72,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat an. Allein gegenüber dem Vormonat Februar lag das Plus bei 25,6 Prozent. Butter kostete 56 Prozent mehr als im März 2021. Rindfleisch war 31,1 Prozent teurer als ein Jahr zuvor, die Preise für Schweinefleisch lagen zwölf Prozent über den Preisen von März 2021.

Kaffee war 20,5 Prozent teurer. Der Preisanstieg für das liebste Getränk der Deutschen hat sich damit nochmals beschleunigt. Im Februar hatte das Plus im Vergleich zum Vorjahresmonat noch 16,9 Prozent betragen.

Viele Produkte verteuern sich rasant

Auch in vielen anderen Bereichen zeigten sich hohe Zuwachsraten bei den Erzeugerpreisen, die mit Verzögerung und in Teilen abgeschwächt auch zu einem weiteren Anstieg der Verbraucherpreise führen dürften. So lagen die Erzeugerpreise für Möbel im März 9,4 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Teile für Klimageräte, Kühl- und Gefrierschränke verteuerten sich um 23,1 Prozent, Papier und Pappe um 45,3 Prozent und Metalle um 39,7 Prozent.

Die Landwirtschaft muss ebenfalls starke Preisanstiege verkraften. Düngemittel kosteten im März 87,2 Prozent mehr als ein Jahr zuvor und Futtermittel für Nutztiere 45,7 Prozent. Hier wirkte sich der Krieg in der Ukraine mit einem Preissprung zwischen Februar und März besonders deutlich aus.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 20. April 2022 um 09:20 Uhr.