Ein älteres Paar steht vor einem Obst und Gemüsestand. | picture alliance/dpa

Umsatz gesunken Inflation schwächt den Einzelhandel

Stand: 07.10.2022 11:15 Uhr

Die Zurückhaltung von Verbrauchern wegen der hohen Inflation macht den deutschen Einzelhändlern zu schaffen. Bereinigt um Preiserhöhungen sind deren Erlöse zuletzt gesunken - außer an den Tankstellen.

Die deutschen Einzelhändler haben im August unter der Kaufzurückhaltung der inflationsgeplagten Verbraucher gelitten, die besonders bei Lebensmitteln sparen. Zwar legten die Umsätze im August des laufenden Jahres dank Preiserhöhungen nominal sowohl zum Vormonat (plus 0,1 Prozent) als auch zum Vorjahresmonat (plus 5,4 Prozent) zu, wie das Statistische Bundesamt errechnete.

Inflationsbereinigt (real) jedoch sanken die Erlöse in der Branche nach Angaben der Wiesbadener Behörde von Juli auf August 2022 um 1,3 Prozent. Von Reuters befragte Ökonomen hatten hier nur mit einen Rückgang von 1,1 Prozent gerechnet. Im Vergleich zum August des Vorjahres gab es sogar ein reales Minus von 4,3 Prozent.

Deutsche sparen vor allem an täglicher Nahrung

Merklich zurück hielten sich die Verbraucher vor allem beim Kauf von Lebensmitteln: Hier verbuchte der Einzelhandel einen realen Umsatzrückgang von 1,7 Prozent zum Vormonat und sogar von 3,1 Prozent zum Vorjahresmonat. "Damit lag der Einzelhandel mit Lebensmitteln auf dem niedrigsten Umsatzniveau seit Januar 2017", so die Statistiker. "Die Verbraucher schnallen den Gürtel enger", sagte dazu der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel. "Der Lebensmittel-Einzelhandel bekommt derzeit die volle Breitseite der Teuerung ab. Die Bürger sparen an der täglichen Nahrung."

Reale Umsatzrückgänge gab es auch im Handel mit Textilien und Schuhen, bei Haushaltsgeräten und Baubedarf sowie im Internet- und Versandhandel. Viele Menschen haben zwar erhebliche Rücklagen, weil sie während der Corona-Pandemie nicht so viel reisen oder shoppen konnten. Doch die zuletzt extrem gestiegenen Preise - zum Beispiel für Energie - bremsen den Konsum.

"Tritt auf die Ausgabenbremse"

Im September hatte die Inflationsrate mit 10,0 Prozent bereits den höchsten Stand seit Jahrzehnten erreicht. Und ein Ende ist noch nicht Sicht. So rechnet das Münchener ifo-Institut nach seiner jüngsten Umfrage mit weiter steigenden Preisen in Deutschland, da immer mehr Unternehmen die hohen Preise weitergeben wollen. Etwa im Lebensmittelhandel planen danach sämtliche befragten Firmen, die Preise zu erhöhen.

Die Experten des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) gehen sogar davon aus, dass Kaufkraft im kommenden Jahr um 4,1 Prozent einbricht - und damit so stark wie noch nie im wiedervereinigten Deutschland. Das ließe in der Folge den privaten Konsum bis weit ins kommende Jahr hinein schrumpfen.

Die Aussichten für die Einzelhandelsbranche bleiben daher getrübt. "Hohe Preise für Energie und Alltagsgüter sowie steigende Zinsen werden den Konsum weiter belasten", sagte auch der Chefvolkswirt der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank AG, Alexander Krüger. "Beim Blick in ihr Portemonnaie werden viele Verbraucher weiter auf die Ausgabenbremse treten." Dass staatliche Entlastungen eine Stimmungswende herbeiführen werden, sei nicht zu erwarten.

Konsumlaune schlecht wie nie - außer an Tankstellen

Wenige Wochen vor Beginn des Weihnachtsgeschäfts ist die Konsumlaune der Deutschen tatsächlich schlecht wie nie. Das monatlich per Umfrage unter 1600 Verbrauchern ermittelte Barometer des Handelsverbandes Deutschland (HDE) sank im Oktober den dritten Monat in Folge und erreichte mit 84,14 Punkten ein Rekordtief. "Steigende Lebenshaltungskosten und hohe Energiekosten dämpfen die Konsumlaune der Verbraucher erheblich", begründete der HDE die negative Entwicklung.

Ein Ausreißer nach oben waren im August jedoch die Tankstellen: Im letzten Monat des Tankrabatts nutzten offenbar viele Autofahrer die Gelegenheit, ihre Vorräte aufzufüllen. Das bescherte Tankstellen ein Rekord-Umsatzplus: Die realen Erlöse der Tankstellen stiegen im August 2022 um 14 Prozent zum Vormonat und um 12,6 Prozent zum Vorjahresmonat.

Dies sei die größte Umsatzsteigerung in beiden Betrachtungsweisen seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 1994, ordnete das Bundesamt ein. Die Bundesregierung hatte den Tankrabatt von Juni bis August eingeführt, um die Inflation zu dämpfen.