Eine Filiale der schwedischen Modekette H&M | dpa

Weniger Umsatz im Einzelhandel Kauflaune im September gesunken

Stand: 01.11.2021 14:43 Uhr

Der Konsum hat zuletzt das Wachstum der deutschen Wirtschaft getragen. Doch zum Sommerende ist der Umsatz der Einzelhändler zurückgegangen. Besonders ein Geschäft litt dabei besonders stark.

Die Kauflaune der Deutschen hat im September deutlich nachgelassen. Zum Ende des Sommerquartals fielen die Erlöse der Einzelhändler nominal um 2,3 Prozent zum August, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Klammert man steigende Preise aus, gab es real ein Minus von 2,5 Prozent. Ökonomen hatten 0,6 Prozent Wachstum erwartet.

Besonders kräftig bergab ging es im Geschäft mit Textilien, Bekleidung, Schuhen und Lederwaren: Hier sank der Umsatz um fast zehn Prozent. Sogar der seit der Corona-Krise boomende Internet- und Versandhandel meldete einen Rückgang von 2,0 Prozent. Allerdings liegen die Umsätze in dieser Sparte mit gut 27 Prozent weiter deutlich über dem Niveau von Februar 2020, als die Virus-Pandemie in Deutschland ausbrach und für Einschränkungen sorgte.

Hoffnung auf das Weihnachtsgeschäft

Eine Erklärung für den überraschenden Rückgang gab es zunächst nicht. Umfragen hatten jüngst gezeigt, dass die globalen Lieferprobleme wichtiger Vorprodukte der Industrie nun auch den Einzelhandel erreicht haben. Neben den Lieferengpässen könnten nach Ansicht von Experten auch die gestiegenen Preise, besonders bei Öl und Gas, die Verbraucher dazu bewegt haben, weniger für andere Produkte auszugeben. Auch sei die allgemeine Sparneigung wegen der anhaltenden Pandemie weiterhin sehr hoch.

Nun richten die Einzelhändler ihre Blicke auf das wichtige Weihnachtsgeschäft und hoffen auf mehr Kauflaune der Verbraucher. Wie aus dem aktuellen Konsumbarometer des Handelsverbands HDE hervorgeht, hat der Index im November seinen dreimonatigen Abwärtstrend unterbrochen und ist wieder auf das Vorjahresniveau gestiegen.

Stimmung nur leicht aufgehellt

"Vor allem im Vergleich zum Vorjahr ist die Bereitschaft zu Konsumausgaben etwas größer", konstatiert der Verband. Grund sei das leichte Plus beim Einkommen. Gleichzeitig habe auch die Sparneigung zugenommen. Allerdings hatten jüngst auch die GfK-Marktforscher ermittelt, dass die Verbraucher - trotz der höchsten deutschen Inflation seit Ende 1993 - mit aufgehellter Kauflaune in den November gehen. Die letzten beiden Monate des Jahres sind als Weihnachtsgeschäft für viele Einzelhändler immens wichtig.

Derweil mahnt Alexander Krüger, Chefvolkswirt vom Bankhaus Lampe, zur Vorsicht. "Eine gute Konsumlaune ist kein zuverlässiges Signal für locker sitzende Portmonees", do der Ökonom. "Sind Ladenregale nämlich leerer, weil die Logistik krankt, lassen sich Konsumwünsche weniger selbstverständlich realisieren."

In Deutschland wuchs das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal um 1,8 Prozent - womit die Bundesrepublik 0,4 Prozentpunkte hinter dem Wachstum der gesamten Eurozone liegt. Es ist zudem das dritte Quartal in Folge, in dem Deutschland schwächer abschneidet als die anderen Staaten der Währungsunion.