Viele Einzelhändler stecken wegen der Corona-Pandemie in der Krise. | dpa

Corona setzt Branche zu Einzelhandel leidet noch stärker

Stand: 02.03.2021 14:57 Uhr

Der Corona-Lockdown hat die Umsätze im Einzelhandel dramatisch einbrechen lassen. Im Januar gab es noch einmal ein Minus gegenüber dem Dezember, das auch Experten überrascht hat.

Überwiegend geschlossene Läden, Ausweichen auf Lieferdienste, Konsumverzicht bei vielen Bundesbürgern: Der Corona-Lockdown hat die deutschen Einzelhändler zum Jahresauftakt viel stärker ausgebremst als erwartet. Der Umsatz fiel im Januar um 3,9 Prozent niedriger aus als im Vormonat, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Preisbereinigt (real) gab es sogar ein Minus von 4,5 Prozent, der auf einen Rekordeinbruch von 9,1 Prozent im Dezember folgt.

Mehrwertsteuererhöhung belastete Januar-Umsätze

Ökonomen hatten hier lediglich mit minus 0,3 Prozent gerechnet. Dieser Rückgang sei vor allem auf die Schließung vieler Einzelhandelsgeschäfte seit dem 16. Dezember 2020 zurückzuführen, hieß es. Auch das Ende der vorübergehenden Mehrwertsteuersenkung dürfte zu schwächeren Januar-Ergebnis beigetragen haben, weil viele Verbraucher größere Anschaffungen noch im alten Jahr vornahmen, um Geld zu sparen.

"Wenn Geschäfte geschlossen sind, kann nun mal nichts verkauft werden", kommentierte der Chefvolkswirt des Bankhauses Lampe, Alexander Krüger, die Entwicklung. Der Onlinehandel sei zwar stark, könne das aber nicht ausgleichen. "Das Desaster dürfte sich auch im Februar noch fortgesetzt haben", sagte Krüger. "Viele Unternehmen werden das rettende Ufer trotz Lockdown-Lockerungen nicht erreichen."

Modehändler schwer getroffen

Die Corona-Maßnahmen haben die einzelnen Sektoren im Einzelhandel unterschiedlich schwer getroffen. Mit dem weiterhin geöffneten Lebensmittelhandel gab es sogar einen Bereich, der im Januar wuchs. Die Umsätze legten hier um sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zu. Auch der Internet- und Versandhandel lief erneut sehr gut, weil viele Verbraucher online shoppen gingen. Hier stiegen die Einnahmen um 32,6 Prozent.

Dagegen brach Umsatz im Modehandel um 76,3 Prozent im Vergleich zum Januar 2020 ein. Mit Einrichtungsgegenständen, Haushaltsgeräten und Baubedarf wurden 42,4 Prozent weniger umgesetzt.

Gerade für den Modehandel sind Pleiten in den kommenden Monaten wahrscheinlich. "Da gleichzeitig die Coronahilfen der Bundesregierung nach wie vor schleppend, nicht ausreichend und nicht passgenau ankommen, stehen in den Innenstädten Zehntausende Händler vor den Trümmern ihrer Existenz", so Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbands HDE.

Klagen und Lockerungen

Der Modekonzern S.Oliver hat bereits angekündigt, bei einer Verlängerung des Lockdown vor das Bundesverfassungsgericht zu ziehen. Damit steht das Unternehmen nicht allein: Einer Umfrage des HDE zufolge plant rund ein Viertel der geschlossenen Textilhändler, vor Gericht zu ziehen. Aber auch große Ketten abseits des Modehandels wollen vor Gericht - etwa MediaMarktSaturn und die Buchhandelskette Thalia.

Bund und Länder stellen der Wirtschaft in den kommenden Wochen weitere Corona-Lockerungen in Aussicht. Das gelte zunächst für Buchhandlungen, Blumengeschäfte und Gartenmärkte, heißt es in einem Entwurf für die am Mittwoch erwarteten Beschlüsse von Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Länder, der der Nachrichtenagentur Reuters vorlag.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 02. März 2021 um 11:36 Uhr.