Eine Modehändlerin unterhält sich am Eingang ihres Geschäftes mit einer Kundin | picture alliance / Rupert Oberh

Leichtes Umsatzplus erwartet Einzelhandel schöpft wieder Hoffnung

Stand: 14.07.2021 15:58 Uhr

Der deutsche Einzelhandel blickt wieder optimistischer in die Zukunft. Zwar sei das erste Halbjahr für den Innenstadthandel verloren, doch ruhe die Hoffnung nun auf Herbst und Winter sowie dem Online-Boom.

Der deutsche Einzelhandel rechnet in diesem Jahr wieder mit einem leichten Umsatzplus - vorausgesetzt, es kommt zu keinem erneuten Lockdown. Ohne weitere Restriktionen und bei niedrigen Infektionszahlen sei für die Branche ein Umsatzwachstum von 1,5 Prozent auf dann 586 Milliarden Euro zu erwarten, sagte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth.

Grund für den Optimismus ist die in der Pandemie gestiegene Sparquote. 100 Milliarden sollen die Bundesbürger auf die hohe Kante gelegt haben. Ein guter Teil davon soll in den Kassen des Einzelhandels landen. Für die kommenden Monate erwartet eine Mehrheit der Händler deshalb eine Fortsetzung der Erholung. Knapp 44 Prozent der vom Verband befragten Händler erwarten eine Umsatzsteigerung im zweiten Halbjahr. Profitieren dürften aber nicht alle Unternehmen der Branche. Denn die Verbraucher haben in der Pandemie vermehrt im Internet eingekauft.

"Die Krise ist noch nicht vorbei"

Tatsächlich bietet der Einzelhandel mit seinen rund drei Millionen Beschäftigten ein gemischtes Bild - denn rasant wächst nur der Online-Handel von Amazon bis Zalando. Auch die nicht von Schließungen betroffenen Lebensmittelhändler legen zu. Abseits dieser Branchen häufen sich aber Probleme. Extrem gelitten unter den Corona-Auflagen haben vor allem die Textilhändler in den Innenstädten.

Deshalb sei es auch zu früh, um Entwarnung für die Branche zu geben, so Genth. "Die Krise ist noch nicht vorbei, für viele Einzelhändler ist die Lage nach wie vor sehr schwierig", sagte er in Berlin. Die positive Entwicklung in den letzten Wochen dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass das erste Halbjahr insbesondere für den Innenstadthandel verloren sei.

50.000 Läden droht nach wie vor das Aus

Mehr als die Hälfte der stationären Händler rechnet einer HDE-Umfrage zufolge für das laufende Jahr insgesamt mit Umsätzen unter dem Vorjahresniveau. Im Bekleidungshandel seien die Einnahmen um rund ein Drittel geschrumpft. Genth hält deshalb auch an der Prognose fest, dass die Pandemie das Aus für bis zu 50.000 Geschäfte bedeuten könne - auch wenn sich dies in den Insolvenzzahlen bislang nicht widerspiegele. "Wir halten die Prognose aufrecht, weil der Einzelhandel teilweise leise stirbt", sagte er. Oft würden Läden einfach ohne Insolvenzverfahren geschlossen. Gleichzeitig dünnten große Handelsketten ihre Filialnetze aus. "Man sieht viele Leerstände, wenn man durch Innenstädte geht", betonte Genth.

Tatsächlich ist ungewiss, ob der Innenstadthandel jemals wieder die Umsätze der Vor-Pandemie-Zeit erreichen wird. Genth selbst hat offensichtlich seine Zweifel. "Es hat in der Pandemie eine Verschiebung im Konsumverhalten gegeben. Das Einkaufen ist digitaler geworden und bleibt es auch", meinte der Branchenkenner.

Der Verband geht deshalb davon aus, dass der Onlinehandel in diesem Jahr knapp 20 Prozent zulegen wird, nachdem er bereits im vergangenen Jahr um 17 Prozent gewachsen ist. Damit würden die E-Commerce-Umsätze in diesem Jahr von 72,8 auf mehr als 87 Milliarden Euro steigen. Der stationäre Einzelhandel wird dagegen laut HDE im Gesamtjahr voraussichtlich Umsatzeinbußen von 1,1 Prozent hinnehmen müssen und noch Waren im Wert von 499 Milliarden Euro verkaufen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. Juli 2021 um 15:00 Uhr.