Vor einem Geschäft in Düsseldorf stehen Kunden Schlage für die 2G-Kontrolle. | dpa

Schlussspurt im Weihnachtsgeschäft Kaufrausch mit Hürden

Stand: 21.12.2021 08:24 Uhr

Die letzten Tage des Advents sind traditionell die umsatzstärksten im Einzelhandel. Aber statt die Türen weit zu öffnen, muss Verkaufspersonal die Impfnachweise kontrollieren - eine Belastungsprobe.

Von Ingrid Bertram, WDR

Simona Libner ist eine, die sich von einer Pandemie nicht unterkriegen lässt. Die Inhaberin der "Fräulein"-Boutiquen in Meerbusch, Ratingen und Kempen hat sich aus dem Tief des Lockdowns vom Beginn des Jahres wieder nach vorne gekämpft. Sie setzt auf Kauferlebnis und bietet auch mal einen Prosecco an zum Bummel durch den Laden, in dem sie Kleider und Wohnaccessoires im mittleren Preissegment verkauft.

Ingrid Bertram

Wer in die Boutique kommt, wird durchaus von ihr selbst nach dem 2G-Nachweis gefragt. Einen Sicherheitsdienst kann sie dafür nicht engagieren. Doch am Freitag stand sie in ihrem Laden in Meerbusch plötzlich komplett allein da, als eine Mitarbeiterin ausgefallen war. "Da musste ich vom Dekorieren im Schaufenster, zur Kontrolle an der Tür bis zur Kasse allein herumspringen."

Klar, dass sie sich dann fragt, warum in Drogerien oder in Blumenläden kein 2G-Nachweis nötig ist, wohl aber in einer Modeboutique. Auch den Kunden und Kundinnen fehle es da an Klarheit, so Simona Libner, warum nicht alle Branchen gleich behandelt werden. Und so kommt es immer wieder vor, dass vor allem ältere Kunden oder Kundinnen an der Tür wieder umdrehen und mit Unverständnis reagieren. "Die meisten sind aber kooperativ und sagen, es sei ja auch in ihrem Interesse." So ist der 4. Advent für die Boutiqueinhaberin insgesamt gut gelaufen.

Üble Beleidigungen bei Kontrollen

Es gibt aber viele Verkäufer und Verkäuferinnen, die weitaus weniger gute Erfahrungen bei der 2G-Kontrolle machen. Ein großer Textilfilialist, der bundesweit Niederlassungen hat und anonym bleiben will, sammelt mittlerweile die Beschwerden der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. "Schlampe" sei noch das netteste, so der Unternehmenssprecher. Mal wurde "2G-Nazi-Schweine" auf die Scheibe geschmiert, mehrmals riss sich ein Kunde die Maske vom Gesicht und kam einer Verkäuferin gefährlich nahe, mal wurden eine mit Kleidern auf dem Bügel oder einem Spielzeugauto beworfen.

Ein anderes Mal warteten die wütenden Kunden vor der Tür und bedrohten die Verkäuferinnen, riefen "Ich warte bis Du Feierabend hast". Woanders rammte ein Kunde der Verkäuferin den Ellenbogen in die Rippen. Über 120 solcher Konfliktsituationen dokumentierte der Modekette bereits. Auch deswegen will sie den Klageweg beschreiten, weil ihrer Meinung nach die Kontrollpflicht der Behörden an die Verkäuferinnen delegiert wurde, und das sei nicht zumutbar.

Einbußen vor allem für den stationären Handel 

Wie stark sich die Corona-Beschränkungen insgesamt auf das Geschäft auswirken, ist derzeit noch unklar, Aber generell zeigt sich, dass die Pandemie gerade den stationären Handel schwer trifft. Im Schnitt rechnet der Handelsverband Textil Schuhe Lederwaren (BTE) mit einem durchschnittlichen Umsatzrückgang um etwa fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Deutlich größer sind die Einbußen, wenn man sie mit dem Geschäft des Jahres 2019 im stationären Handel vergleicht. Im Vergleich zu dem Jahr vor der Pandemie rechne der Verband mit einem Umsatzrückgang um etwa 30 Prozent, so BTE-Sprecher Axel Augustin. Je nach Standort und Geschäftskonzept könne das aber schwanken.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. Dezember 2021 um 07:47 Uhr und am 17. Dezember 2021 um 17:09 Uhr.