Das Containerschiff "HMM Gdansk" liegt im Waltershofer Hafen am Containerterminal. | dpa

Plus 13 Prozent Deutschland exportiert wieder mehr

Stand: 03.08.2022 11:01 Uhr

Deutschlands Exporteure haben nach einem starken Juni im ersten Halbjahr ein kräftiges Plus erzielt. Sogar mit Russland hat der Warenaustausch trotz der Sanktionen wieder zugenommen.

Die deutschen Exporteure konnten von einer hohen Nachfrage im Juni profitieren. Die Ausfuhren wuchsen im Juni um 4,5 Prozent zum Vormonat und summierten sich damit auf den Rekordwert von 134,3 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Das ist bereits der dritte Anstieg in Folge.

Die meisten deutschen Exporte gingen im Juni in die Vereinigten Staaten. Dorthin wurden kalender- und saisonbereinigt 6,2 Prozent mehr Waren exportiert als im Mai. Insgesamt summierten sich die US-Exporte damit auf 14,2 Milliarden Euro.

Im gesamten ersten Halbjahr wuchsen die deutschen Exporte damit um 13,0 Prozent zum Vorjahreszeitraum auf 754,2 Milliarden Euro. Dennoch warnen Ökonomen vor zu viel Euphorie angesichts der guten Zahlen: "Preiserhöhungen können das nominale Exportvolumen erhöhen, ohne dass real tatsächlich mehr exportiert wurde", so der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel.

Exporte nach Russland nehmen wieder zu

Auch die Importe legten im Juni bereits den fünften Monat in Folge zu. Allerdings fiel das Plus mit 0,2 Prozent deutlich schwächer aus als in den Vormonaten. Die Handelsbilanz - Exporte minus Importe - wies im Juni wieder ein deutliches Plus von 6,4 Milliarden Euro aus.

Zugenommen hat im Juni auch wieder der Warenaustausch Deutschlands mit Russland: Im Vergleich zum Mai legten die deutschen Exporte nach vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes um 14,5 Prozent zu, die Importe stiegen um 4,8 Prozent. Das Handelsvolumen ist dennoch bedeutend geringer als vor dem russischen Angriff auf die Ukraine: Im Vergleich zum Juni 2021 sanken die Exporte nach Russland um 40,3 Prozent.

Negative Aussichten für die zweite Jahreshälfte

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) warnt vor einer schwierigen zweiten Jahreshälfte für die Exportwirtschaft. "Lieferkettenstörungen und hohe Kosten für Energie, Rohstoffe und importierte Vorleistungen behindern weiterhin die Produktion, auch in der exportorientierten deutschen Industrie", sagte DIHK-Außenwirtschaftsexpertin Carolin Herweg: "Die sich abkühlende Konjunktur bei wichtigen Exportpartnern, wie den USA, China oder der Euro-Zone, dämpft zudem die Nachfrage nach Produkten 'Made in Germany'."

Auch die Stimmung unter den Exporteuren hat sich zu Beginn der zweiten Jahreshälfte eingetrübt. Die vom ifo-Institut ermittelten Exporterwartungen fielen im Juli auf minus 0,5 Punkte, von plus 3,4 Punkten im Juni. "Die Gasknappheit belastet den Ausblick der deutschen Exportwirtschaft", erklärte das Institut.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. August 2022 um 10:00 Uhr.