Ein Mann arbeitet mit Mund-Nasen-Schutz an einem Auto im Autowerk Xinjiang von GAC Motor in Urumqi (China). | dpa

Lockdown und Immobilienmarkt Sorge um Chinas Wirtschaft wächst

Stand: 01.08.2022 11:14 Uhr

Die chinesische Wirtschaft gerät ins Stocken, die Lockdownmaßnahmen wirken nach. Das könnte auch Folgen für die deutsche Konjunktur haben, denn China ist Deutschlands wichtigster Handelspartner.      

Für die chinesische Wirtschaft hat die zweite Jahreshälfte mit einem Fehlstart begonnen. Der Einkaufsmanagerindex für die Industrie fiel im Juli unerwartet deutlich um 1,3 auf 50,4 Punkte. Das geht aus der heute veröffentlichten Umfrage von Caixin/Markit unter vorwiegend exportorientierten privaten Unternehmen hervor.

Das Barometer hält sich damit nur knapp über der Marke von 50, ab der es Wachstum signalisiert. Von Reuters befragte Ökonomen hatten lediglich einen leichten Rückgang auf 51,5 Zähler erwartet. Zuvor war bereits der offizielle Einkaufsmanagerindex, der vor allem große staatseigene Industriebetriebe abdeckt, überraschend um 1,2 auf 49,0 Punkte gefallen.

Wird das Wachstumsziel erreicht?

Fachleute interpretieren die aktuellen Daten als Warnung: "Das Land stand bereits vor einer schwierigen Aufgabe - um es milde auszudrücken -, was sein Wachstumsziel für dieses Jahr angeht. Und die Tatsache, dass sich die Aktivität im verarbeitenden Gewerbe erneut verlangsamt, verheißt nichts Gutes“, kommentiert Craig Erlam, Marktexperte beim Broker Oanda. Die Daten seien ein Indiz dafür, dass die Wirtschaft Mühe habe, wieder zu ihrer vollen Stärke zurückzufinden.

"Die Hoffnung, dass sich die Industrie nach dem Ende drastischer Lockdown-Maßnahmen, die im April wichtige Wirtschaftsregionen stillgelegt haben, wieder deutlich belebt, haben durch die Daten einen Dämpfer bekommen", meint auch Commerzbank-Ökonom Bernd Weidensteiner. Auf der einen Seite belaste die weltwirtschaftliche Schwäche den Exportweltmeister. Auf der anderen Seite stottere aber auch die Binnenwirtschaft. "Denn die Regierung hat ihren harten Corona-Kurs erst kürzlich wieder bekräftigt", sagte Weidensteiner. Dadurch bestehe immer wieder das Risiko von Produktionsstörungen durch Lockdown-Maßnahmen.

Sorge auch um die deutsche Konjunktur  

Das könnte auch Folgen für die deutsche Wirtschaft haben. Schließlich ist China der mit Abstand wichtigster Handelspartner. 2021 wurden Waren im Wert von 245 Milliarden Euro zwischen den beiden Ländern gehandelt. Grund zur Sorge um die deutsche Konjunktur gibt es längst, denn das Wachstum ist hierzulande in den Frühjahrsmonaten komplett zum Erliegen gekommen. Im zweiten Quartal bliebt das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Vergleich zu den ersten drei Monaten dieses Jahres unverändert.  

Vor allem externe Faktoren wie gestörte Lieferketten, steigende Preisen und der Krieg in der Ukraine hätten sich deutlich in der konjunkturellen Entwicklung niedergeschlagen, erklärten Fachleute des Statistischen Bundesamts.

Krise auf dem Immobilienmarkt

Neben den Folgen der Lockdowns schürt auch eine Immobilienkrise die chinesischen Konjunktursorgen. Eine Umfrage der China Index Academy zufolge, eines der größten unabhängigen Immobilienforschungsunternehmen des Landes, brachen die Immobilienverkäufe nach Fläche in 17 erfassten Städten im Juli um ein Drittel zum Vormonat ein. Damit droht der Immobiliensektor als Wachstumsmotor auszufallen. "Der chinesische Immobiliensektor befindet sich mitten in einer Depression", meinen die Fachleute der Societé Générale.  

Spitzenpolitiker haben angesichts des Gegenwinds bereits signalisiert, dass die Regierung von ihrem für dieses Jahr ausgegebenen Wachstumsziel von rund 5,5 Prozent abrücken könnte. Im zweiten Quartal war das Bruttoinlandsprodukt lediglich um 0,4 Prozent zum Vorjahreszeitraum gewachsen. Klammert man den Schock vom Ausbruch der Virus-Pandemie Anfang 2020 aus, war dies das geringste Wachstum seit Beginn der Datenerhebung 1992. Volkswirte erwarten, dass die Pekinger Behörden nun verstärkt versuchen werden, die Konjunktur anzukurbeln.

"Jeder macht sich Sorgen um eine Stagnation", sagte Nie Wen, ein in Shanghai ansässiger Ökonom bei Hwabao Trust. "In der zweiten Jahreshälfte wird es wirtschaftlich wichtiger sein, die Erholung des Konsums zu beschleunigen."

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 n der Börse am 01. August 2022 um 09:05 Uhr.