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Wirtschaftswachstum Bundesbank fürchtet langsamere Erholung

Stand: 23.08.2021 14:56 Uhr

Die Delta-Variante und eine nachlassende Impfdynamik machen der Bundesbank Sorgen. Die Konjunktur könnte im laufenden Jahr schwächer ausfallen als gedacht. Im Sommer erleben wir aber einen Wachstumsschub.

Die steigenden Corona-Fallzahlen führen zu einer wachsenden Unsicherheit hinsichtlich der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung. Vor diesem Hintergrund haben die Ökonomen der Bundesbank nun erklärt, dass ihre jüngste Konjunkturprognose aus dem Juni eventuell zu optimistisch war. Aus heutiger Sicht könne das Wirtschaftswachstum im laufenden Jahr im Schnitt "etwas geringer ausfallen als in der Juni-Projektion erwartet," schreibt die Notenbank in ihrem aktuellen Monatsbericht.

Die Delta-Variante und eine nachlassende Dynamik beim Impfen könnten wieder zu schärferen Eindämmungsschritten führen, so die Bundesbank. Das wiederum würde die Wirtschaft erneut belasten - wenn auch erst im Herbstquartal.

Neben den Folgen der Pandemie wertet die Bundesbank die zerstörte Infrastruktur und Produktionskapazität in den Gebieten, die von der Flutkatastrophe getroffen wurden, noch als überschaubaren Belastungsfaktor. "Insgesamt bleibt abzuwarten, ob das BIP sein Vorkrisenniveau bereits im Sommer wieder erreicht oder erst im Herbst", führte die Notenbank dazu aus.

Ein starker Sommer - für die Wirtschaft

Die Bundesbank hatte im Juni für das laufende Jahr einen kalenderbereinigten Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 3,7 Prozent vorhergesagt. Noch im Dezember hatte sie lediglich ein Plus von 3,0 Prozent prognostiziert. Für 2022 wurde ein Wachstum von 5,2 Prozent in Aussicht gestellt.

Für die Sommermonate äußerten sich die Bundesbank-Experten optimistisch. "Die deutsche Wirtschaftsleistung dürfte im Sommer stark wachsen und noch wesentlich kräftiger zulegen als im Frühjahr", heißt es im Monatsbericht. Auf Grundlage von Monatsschätzungen des Bruttoinlandsproduktes (BIP) könnte die Wirtschaftsleistung im laufenden dritten Quartal demnach um gut drei Prozent gegenüber dem Vorquartal zulegen - nach einem Plus von 1,5 Prozent im zweiten Vierteljahr.

Gut gefüllte Auftragsbücher

Von den seit Mitte Mai deutlich gelockerten Eindämmungsmaßnahmen könnten das Gastgewerbe, die Reisebranche oder Einzelhandelsgeschäfte besonders stark profitieren, so die Einschätzung der Ökonomen.

Zudem seien die Auftragsbücher im Bau und in der Industrie gut gefüllt. Hier machte die Bundesbank erste Anzeichen dafür aus, dass sich die Lieferengpässe bei manchen Vorprodukten und Rohstoffen nicht mehr so deutlich verschärfen wie noch im zweiten Quartal. Zuletzt hatte die große Mehrheit der deutschen Unternehmen noch über solche Lieferprobleme geklagt, wie aus einer kürzlich veröffentlichten Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) hervorgeht.

Ein großes Defizit im Staatshaushalt

Im vergangenen Jahr hatte die Corona-Pandemie die deutsche Wirtschaft in die tiefste Rezession seit der globalen Finanzkrise 2009 gerissen. Das BIP brach real um 4,8 Prozent ein.

Außerdem hatten gesunkene Steuereinnahmen und milliardenschwere Hilfspakete für die Wirtschaft in der Corona-Krise im vergangenen Jahr tiefe Löcher in den Staatshaushalt gerissen. Im Laufe dieses Jahres wird die Konjunkturerholung nach Einschätzung der Bundesbank zwar zunehmend positiv auf die Staatsfinanzen wirken. Dennoch dürfte sich das Defizit vergrößern und über fünf Prozent des BIP hinausgehen. Im Vorjahr waren es 4,5 Prozent.