Zwei Pflegerinnen gehen im Bundeswehrkrankenhaus Ulm an dem Schriftzug "Intensiv" vorbei (Archivbild). | dpa

Trotz Corona-Krise Diese Branchen suchen Mitarbeiter

Stand: 15.04.2021 08:14 Uhr

Corona hat auch den Arbeitsmarkt radikal verändert. Jetzt einen Job zu finden, ist schwierig. Doch das gilt nicht für alle Branchen. In einigen werden Mitarbeiter weiterhin gesucht.

Von Tina Wenzel, BR

Rund 18.000 Bewerbungen hat die Personalabteilung des IT-Dienstleisters Datev im vergangenen Jahr gesichtet. Mehr als 400 Mitarbeiter und mehr als 70 Auszubildende hat das Unternehmen mit Sitz in Nürnberg neu eingestellt. "Wir haben eine kontinuierlich und hohe Anzahl an Einstellungen auch 2020", berichtet Personalleiter Michael Link. Das Unternehmen konkurriert um die besten Köpfe der Branche und steht vor der Herausforderung, die neuen Mitarbeiter in Zeiten von Homeoffice gut ins Team zu integrieren. "Da investieren wir viel, da sonst die Abbruchquote hoch wäre", betont Link.

IT- und Logistikbranche boomen

Die IT-Branche ist in der Corona-Krise nicht eingeknickt. Ganz im Gegenteil: Die Digitalisierung hat mit der Pandemie einen deutlichen Schub erhalten, sagt Experte Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB). Unternehmen haben auf Homeoffice umgestellt, Veranstaltungen finden digital statt, und auch der Onlinehandel hat kräftig zugelegt. Von der Digitalisierung und dem mobilen Arbeiten im Homeoffice hat auch der IT-Dienstleister Datev profitiert. 2020 stieg der Umsatz um 5,1 Prozent. Durch den boomenden Onlinehandel wiederum werden auch in der Logistikbranche noch Arbeitskräfte gesucht - vor allem bei Paketdiensten.

Dringend gesucht: Pflegekräfte

Auch in systemrelevanten Berufen wie zum Beispiel im Lebensmitteleinzelhandel und in Drogerien wird eingestellt. Mehr Personal braucht auch die Gesundheitsbranche - und zwar dauerhaft, denn die Gesellschaft wird immer älter. Am Klinikum Nürnberg ist die Liste der aktuellen Stellenangebote lang - vor allem für Pflegefachkräfte. Die sind auch entscheidend, wenn es darum geht, die Corona-Pandemie zu bewältigen. Derzeit füllen sich die Intensivstationen wieder rasant. Um die ersten Corona-Wellen abzufangen, hat das Klinikum Personal aus anderen Bereichen abgezogen und Kapazitäten heruntergefahren, berichtet Personalvorstand Peter Schuh. Einige Operationen mussten zum Beispiel verschoben werden.

Pflegekräfte zu finden, ist aber nicht einfach. Längst blickt Schuh nicht mehr nur auf den heimischen Arbeitsmarkt, sondern auch ins Ausland. Seit einem Jahr wirbt das Klinikum Pflegekräfte aus dem Ausland an. Mehr als 80 Mitarbeiter sind es bereits. Der Einstieg war jedoch mühsam. Aufgrund der Pandemie konnten Sprachkurse nicht wie geplant stattfinden. Dennoch: "Wir sehen jetzt die ersten Erfolge und haben positive Rückmeldungen", so Schuh.

Qualifikationen entscheidend

In der Krise zeigt sich, dass Arbeitssuchende bereit sind, die Branche zu wechseln. Dabei haben sie sich verstärkt unter dem Druck der Krise auch mit schlechteren Stellen zufrieden gegeben, zeigen Studien des IAB. "Das ist etwas Kritisches, denn unser Arbeitsmarkt soll eigentlich dafür sorgen, dass Menschen weiterkommen und nicht, dass sie zurückbleiben", so IAB-Forscher Weber.

Eine weitere Entwicklung gilt es im Auge zu behalten: Die Pandemie sorgt dafür, dass sich die Wirtschaft und der Arbeitsmarkt noch schneller wandelt, die Digitalisierung noch schneller voranschreitet. "Das setzt klare Herausforderungen gerade auch für die Qualifizierungspolitik", betont Weber, "Die Weiterentwicklung der Qualifikation ist das entscheidende Mittel, um einen solchen Transformationsprozess gerecht zu werden." Sonst werden Menschen am Arbeitsmarkt abgehängt - im schlimmsten Fall dauerhaft.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 17. März 2021 um 12:14 Uhr und Deutschlandfunk am 14. April 2021 um 17:17 Uhr.