Borkum | picture alliance/dpa

Umweltfolgen befürchtet Klage gegen Erdgasförderung nahe Borkum

Stand: 15.07.2022 12:51 Uhr

Ein Bündnis um die Deutsche Umwelthilfe klagt gegen die geplante Erdgasförderung in der Nordsee nahe der Insel Borkum. Neben Umweltfolgen kritisiert man auch das Festhalten an fossiler Energie.

Nahe der ostfriesischen Insel Borkum soll ein Gasfeld erschlossen werden. Dagegen regt sich zunehmend Widerstand. Die Deutsche Umwelthilfe (DU) hat zusammen mit der niederländischen Umweltorganisation Mobilisation for the Environment (MOB) und der Bürgerinitiative Saubere Luft Ostfriesland beim zuständigen Gericht, der Rechtbank in Den Haag, eine Klage eingereicht. Das Bündnis fürchtet durch die Bohrungen Umweltfolgen für die Insel Borkum, die Nordsee und den nahegelegenen Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer.

"Völlig aus der Zeit gefallen"

Außerdem kritisiert das Bündnis eine verlängerte Abhängigkeit von fossilem Gas. Die Förderpläne des niederländischen Unternehmens One-Dyas seien "völlig aus der Zeit gefallen". "Mit Energiesicherheit haben die Pläne nicht das Geringste zu tun: Frühestens ab 2024 soll eine geringe Menge an fossilem Gas gefördert werden", sagte der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Sascha Müller-Kraenner. Dagegen entstehe mit dem Bau einer neuen Plattform in der Nordsee eine neue Infrastruktur, die unsere langfristige Abhängigkeit von fossiler Energie noch vergrößern werde.

Nicht nur Umweltverbände, sondern auch Nordseeinseln sehen das Vorhaben kritisch. Die Stadt Borkum will ebenfalls gegen die Erdgasförderung klagen. Eine Klage soll am Freitag bei dem Gericht in den Niederlanden eingereicht werden. Zuvor hatte sich bereits eine Mehrheit im Verwaltungsausschuss der Stadt für eine Klage ausgesprochen. Heute endet die Klagefrist.

Wie der NDR berichtet, argumentiert die Klage Borkums damit, dass durch die Bohrungen in der Nordsee Erdbeben ausgelöst werden könnten, die im schlimmsten Fall der Insel schaden würden. Vor allem die Süßwasserlinse sei in Gefahr und mit ihr die Trinkwasserversorgung auf Borkum. Schadstoffe könnten ferner an die Strände gelangen. Außerdem entstünde eine Förderplattform in Sichtweite der Insel, die Urlauber abschrecken könnte.

13 Milliarden Kubikmeter Fördervolumen

Der Plan des Unternehmens One-Dyas und seiner Partner sieht vor, eine Plattform auf See zu errichten und Erdgas aus einem Feld zwischen den Inseln Schiermonnikoog (Niederlande) und Borkum zu fördern. Die Plattform soll im niederländischen Küstenmeer liegen, aber nur etwa 500 Meter von den deutschen Hoheitsgewässern entfernt und ungefähr 20 Kilometer vor der Küste Borkums.

Das Gasfeld soll ein förderbares Gesamtvolumen von bis zu 13 Milliarden Kubikmeter Erdgas haben. Zusammen mit weiteren umliegenden Gebieten werden insgesamt bis zu 60 Milliarden Kubikmeter vermutet, rund die Hälfte auf deutschem Hoheitsgebiet. Zum Vergleich: Das Fassungsvermögen der Erdgasspeicher in Deutschland liegt bei rund 23 Milliarden Kubikmetern.  

"Wandel braucht Zeit"  

Auf niederländischer Seite hatten die Behörden Anfang Juni grünes Licht für die Förderung gegeben. Nach Angaben des zuständigen Wirtschaftsministeriums in Den Haag wurden die möglichen Effekte auf die Umwelt untersucht. Die vorgelegten Pläne erfüllten alle Vorbedingungen. Dennoch seien die Auflagen wegen der Bedenken von Umweltschützern verschärft worden, hieß es damals.

One-Dyas-Chef Chris de Ruyter van Steveninck sagte zu den Plänen, der Wandel zu 100 Prozent erneuerbarer Energie brauche Zeit. Erdgas werde daher auch in den kommenden Jahrzehnten Teil des Energiemixes sein: "Solange Erdgas benötigt wird, ist es unsere gemeinsame Aufgabe, dafür zu sorgen, dass dieses Gas so sauber, günstig und zuverlässig wie möglich ist."

Energieversorgung absichern

Eine Genehmigung für die Förderung auf niedersächsischer Seite, die laut One-Dyas frühestens Ende 2024 beginnen kann, steht noch aus. Dazu läuft zurzeit ein Planfeststellungsverfahren. Niedersachsens Landesregierung hatte unter dem Eindruck der Energiekrise durch den Ukraine-Krieg erst kürzlich einen ursprünglichen Beschluss gegen die Produktion rückgängig gemacht: Wegen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine und der Abhängigkeit von russischem Gas treiben SPD und CDU das Projekt nun voran.

Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) hatte vergangene Woche erklärt, das Projekt solle helfen, die Energieversorgung abzusichern. "Die Szenarien des Notfallplans Gas führen uns deutlich vor Augen, wie ernst es um die Versorgungslage steht."

Karte: die Inseln Borkum und Schiermonnikoog

Hell schraffiert: Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer
Dunkel schraffiert: zu erschließendes Gasfeld

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 15. Juli 2022 ab 06:45 Uhr fortlaufend in den Nachrichten.