Dunkle Regenwolken über den Hafenanlagen in Hamburg | dpa

Risiken für Konjunktur Aufschwung etwas abgebremst

Stand: 29.10.2021 12:35 Uhr

Die deutsche Wirtschaft ist wegen der Materialengpässe im Sommer bereits etwas schwächer gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt stieg im dritten Quartal um 1,8 Prozent - vor allem wegen des Konsums.

Die deutsche Wirtschaft ist trotz anhaltender Lieferengpässe im dritten Quartal zwar auf Wachstumskurs geblieben, allerdings fällt das Plus schwächer aus als Experten prognostiziert hatten. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs gegenüber dem Vorquartal um 1,8 Prozent, teilte das Statistische Bundesamt in einer ersten Schätzung mit. Volkswirte hatten mit einem Wachstum von 2,2 Prozent gerechnet. Auch das Tempo lässt nach: Im zweiten Quartal war Europas größte Volkswirtschaft um 1,9 Prozent gewachsen. Dabei liegt die Wirtschaftsleistung immer noch unter dem Vorkrisenniveau Ende 2019.    

Konsum als Träger des Wachstums

Die Statistiker teilen mit, dass das Wirtschaftswachstum vor allem von der Konsumlust der Verbraucher getragen worden sei. Schließlich waren die Einschränkungen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie mit zeitweiliger Schließung von Gaststätten, Fitness-Studios und Läden ab Mitte Mai schrittweise gelockert worden.

Die Industrie leidet dagegen unter Materialmangel und Lieferengpässen, die eine Folgewirkung der Corona-Krise 2020 sind. Im vergangenen Jahr war die Nachfrage eingebrochen. Mit der Konjunkturerholung zieht die globale Nachfrage derzeit wieder an. Rohstoffe und Vorprodukte wie Halbleiter sind aber knapp und haben sich deutlich verteuert. Trotz gut gefüllter Auftragsbücher müssen manche Unternehmen die Produktion drosseln.

Kein "Schlussspurt"

Das hat Folgen für die kommenden Monate. Die Bundesregierung und Ökonomen rechnen damit, dass die Konjunkturerholung zum Jahresende noch deutlicher an Tempo verliert. In diesem Jahr komme es angesichts der aktuellen Lieferengpässe und weltweit hoher Energiepreise nicht zum erhofften "Schlussspurt", sagte der geschäftsführende Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) jüngst. Er sprach von einer historisch einmaligen Knappheit an Vorleistungsgütern.

Mit den steil ansteigenden Corona-Infektionen und den länger anhaltenden Materialengpässen hätten sich die Konjunkturaussichten zuletzt deutlich eingetrübt, so Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. "Die deutsche Wirtschaft dürfte im vierten Quartal kaum noch wachsen. Wir erwarten für das gesamte Jahr 2021 weiter ein Plus von 2,5 Prozent."

Prognosen gesenkt

Die Bundesregierung schraubte die Wachstumserwartungen für 2021 herunter. Nach dem coronabedingten Einbruch des Bruttoinlandsprodukts 2020 erwartet die Regierung, dass die Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um 2,6 Prozent zulegt. Im April war noch ein Plus von 3,5 Prozent vorhergesagt worden. Für 2022 wird nun mit einem Wirtschaftswachstum von 4,1 Prozent statt wie bisher 3,6 Prozent gerechnet.

Auch führende Wirtschaftsforschungsinstitute hatten ihre Konjunkturprognose für dieses Jahr deutlich gesenkt. Sie rechnen mit einem Wirtschaftswachstum in Europas größter Volkswirtschaft von 2,4 Prozent.

Höheres Wachstum in der Eurozone

Unter den Euro-Staaten hat Deutschland zwischen Juli und September nur ein unterdurchnittliches Wirtschaftswachstum erreicht. Das Konjunkturplus in der Eurozone lag im dritten Quartal bei 2,2 Prozent, wie das EU-Statistikamt mitteilte. Die Inflation war im Oktober mit 4,1 Prozent in den Euro-Ländern insgesamt nicht ganz so hoch wie in Deutschland.

Über dieses Thema berichteten am 29. Oktober 2021 die tagesschau um 12:00 Uhr und NDR Info um 12:40 Uhr in den Nachrichten.