Containerschiffe werden im Hamburger be- und entladen | dpa

Konjunktur zieht an Wirtschaft 2021 um 2,7 Prozent gewachsen

Stand: 14.01.2022 10:02 Uhr

Die deutsche Wirtschaft ist nach dem Corona-Absturz wieder auf Wachstum eingeschwenkt und hat im vergangenen Jahr um 2,7 Prozent zugelegt. Bundesregierung und Ökonomen hatten ursprünglich mit mehr gerechnet.

Die deutsche Wirtschaft hat sich 2021 vom Corona-bedingten Einbruch des Vorjahres erholt, wenngleich weniger deutlich als ursprünglich erwartet. Laut der ersten amtlichen Schätzung des Statistischen Bundesamts ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2021 um 2,7 Prozent gewachsen. Ursprünglich hatten Ökonomen mit einem Plus von rund vier Prozent gerechnet. Die Bundesregierung hatte ein Wachstum von 3,5 Prozent erwartet.

Das hat auch mit Lieferengpässen zu tun, unter denen nach Auskunft des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) viele Betriebe in der Automobilindustrie, der Elektroindustrie oder im Maschinenbau leiden. Die Engpässe bremsten die industrielle Wertschöpfung in den Jahren 2021 und 2022 um jeweils mehr als 50 Milliarden Euro aus. Fehlende Mikrochips, Bauteile und Rohstoffe beeinträchtigten die Produktion noch längere Zeit.

Rückgang im vierten Quartal

Zwischen Oktober und Dezember ist das BIP sogar gesunken, um geschätzt zwischen 0,5 und 1,0 Prozent zum Vorquartal, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Eine genauere Schätzung soll dazu Ende Januar veröffentlicht werden. Grund für das Minus sei die vierte Corona-Welle mit weiteren Einschränkungen im Kampf gegen die Virus-Pandemie. Diese belastete etwa Einzelhandel, Hotels und Restaurants.

"Offenbar hat der Corona-bedingte Einbruch bei den Dienstleistungen das sich abzeichnende leichte Plus in der Industrie überkompensiert", sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer zur Entwicklung im vierten Quartal. "Für das erste Quartal 2022 erwarten wir wegen der Omikron-Variante ein weiteres Minus." Danach dürfte sich die deutsche Wirtschaft aber kräftig erholen.

Berechnungen des Forschungsinstituts IfW zufolge wird die Corona-Krise in den Jahren 2020 bis 2022 zu einem Verlust an Wirtschaftsleistung in Höhe von schätzungsweise 320 Milliarden Euro führen. Allein die Lieferengpässe kosteten die Industrie dem IfW zufolge wohl 40 Milliarden Euro an Wertschöpfung.

Aufschwung dürfte im Frühjahr an Fahrt gewinnen

Die Experten rechnen nun erst im ersten Quartal 2022 mit einer Rückkehr zum Vorkrisenniveau - ein halbes Jahr später als bisher. Der Kampf gegen das weiter grassierende Coronavirus und die neuen Einschränkungen etwa im Einzelhandel dürften nach Einschätzung der Fachleute unter anderem den privaten Konsum als wichtige Konjunkturstütze schwächen.

Ab dem Frühjahr 2022 wird der Aufschwung den Prognosen zufolge an Fahrt gewinnen - angeschoben vor allem von der Kauflust der Verbraucher. Unter anderem die Bundesbank geht davon aus, dass die Menschen in Deutschland eine Zeit lang mehr Geld ausgeben werden als in Vor-Pandemie-Zeiten. Die Kassen vieler Haushalte sind gut gefüllt, etwa weil Reisen gestrichen werden mussten und Freizeitaktivitäten zeitweise eingeschränkt waren.

BDI mahnt zur Vorsicht

Der BDI mahnt allerdings zur Vorsicht. Ihr Präsident Siegfried Russwurm sagte gestern, der erhoffte "Post-Corona-Boom" bleibe bisher aus. Eine Erholung werde sich bis zum Sommer hinauszögern, dies sei aber ein eher optimistisches Szenario. Denn: Sollte die Omikron-Variante des Coronavirus ein Land wie China oder andere für Deutschland wichtige Märkte wie die USA de facto lahmlegen, hätte das verheerende Folgen für die deutsche Wirtschaft, so Russwurm.

Ökonomen gehen zudem davon aus, dass Unternehmen ab dem Frühjahr wieder mehr investieren werden, wenn es weniger Unsicherheit bezüglich des weiteren Verlaufs der Pandemie gibt. 2022 trauen Volkswirte der deutschen Wirtschaft ein vergleichsweise kräftiges Wachstum zwischen 3,5 Prozent und gut vier Prozent zu.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 14. Januar 2022 um 10:30 Uhr.