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Rückschlag für Konjunktur Deutschlands Wirtschaft schrumpft wieder

Stand: 28.01.2022 11:25 Uhr

Während im europäischen Ausland die Konjunktur zum Teil wieder kräftig anzieht, hinkt Deutschlands Wirtschaft hinterher. Selbst eine Rezession zum Jahresbeginn ist nicht ausgeschlossen.

Die Coronavirus-Varianten Delta und Omikron haben die Konjunktur in Deutschland zum Jahresende deutlich gebremst. Die Wirtschaft schrumpfte zwischen Oktober und Dezember um 0,7 Prozent zum Vorquartal, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Das ist deutlich mehr als Ökonomen erwartet hatten.

Verschärfte Corona-Einschränkungen belasteten insbesondere den Einzelhandel und das Gastgewerbe. Der private Konsum nahm im vierten Quartal 2021 gegenüber dem Vorquartal ab. Zugleich treffen Engpässe bei Rohstoffen und Vorprodukten wie Halbleitern die Industrie. Die Auftragsbücher vieler Unternehmen sind zwar gut gefüllt, können wegen Materialmangels aber oft nicht in dem gewohnten Tempo abgearbeitet werden.

Besserung ab dem Frühjahr

Viele Fachleute gehen davon aus, dass die Omikron-Welle die Konjunktur auch im laufenden ersten Quartal belastet. So könnte es zu einer technischen Rezession kommen. Das wäre der Fall, wenn die Wirtschaftskraft in zwei aufeinander folgenden Quartalen sinkt. Ab dem Frühjahr erwarten die meisten Experten eine spürbare Belebung, wenn die Pandemie abebben dürfte.

"Ab dem Frühsommer sollte sich die deutsche Wirtschaft mit dem Abebben von Corona kräftig erholen", so Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. Dafür sprächen zum einen die großen Auftragsbestände. "Außerdem dürften die Konsumenten einen Teil der während der Pandemie gebildeten hohen zusätzlichen Ersparnisse ausgeben, die sich auf mehr als zehn Prozent ihrer verfügbaren Einkommen belaufen. Im Sommer könnte das deutsche Bruttoinlandsprodukt wieder sein Vorkrisenniveau erreicht haben", prognostiziert der Ökonom.  

Habeck sieht robuste Wirtschaft

Die Bundesregierung rechnet für dieses Jahr insgesamt mit 3,6 Prozent Wirtschaftswachstum und für 2023 mit einem Plus von 2,3 Prozent, wie Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck im Bundestag sagte. "Wir haben eine robuste Wirtschaft und einen stabilen Arbeitsmarkt." Zu Jahresbeginn sei die Dynamik wegen der anhaltenden Einschränkungen zur Bekämpfung der Pandemie aber noch gedämpft, so der Grünen-Politiker.

Habeck sprach sich dafür aus, dass die wirtschaftliche Erholung zugleich mit einem effektiven Klimaschutz und einem nachhaltigen Fortschritt einhergehen müsse, um Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit weiter zu sichern.

Für das vergangene Jahr errechnete das Statistikamt den jüngsten Daten zufolge ein Wachstum von insgesamt 2,8 Prozent. Im Krisenjahr 2020 war die Wirtschaftsleistung Deutschlands um 4,6 Prozent eingebrochen.

Französische Wirtschaft "spektakulär erholt"

Im europäischen Ausland läuft die Konjunktur teils deutlich besser. So hat etwa Frankreichs Wirtschaft im Gesamtjahr so kräftig zugelegt wie seit 52 Jahren nicht mehr. Das Bruttoinlandsprodukt stieg im vergangenen Jahr um 7,0 Prozent - so stark wie seit 1969 nicht mehr, wie das nationale Statistikamt mitteilte.

"Die französische Wirtschaft hat sich spektakulär erholt, und das hat die Wirtschaftskrise ausgelöscht", sagte Finanzminister Bruno Le Maire im Fernsehsender France 2. "Es gibt immer noch einige Bereiche, die Probleme haben, wie der Tourismus und die Hotellerie. Aber die meisten erholen sich sehr stark, und das schafft Arbeitsplätze."

In Spanien ist das Bild ähnlich. 2021 betrug das Wirtschaftswachstum dort laut Statistikamt 7,2 Prozent.

Warum Deutschland langsamer wächst

Für das höhere Wachstumstempo als in Deutschland gibt es zwei Gründe. Zum einen wurden viele Volkswirtschaften wesentlich härter von den Folgen der Pandemie getroffen als Deutschland, sodass das Aufholpotenzial jetzt größer ist.

Außerdem ist der Anteil der Industrieproduktion an der Gesamtwirtschaft hierzulande viel höher als etwa in Spanien, wie allein ein Blick auf die Autoindustrie zeigt. Deshalb wirken sich globale Lieferengpässe und der Chipmangel besonders stark bremsend auf das deutsche Wachstum aus.