Mitarbeiter der Porsche AG haben in der Produktion des batterieelektrische angetriebenen Sportwagens Porsche Taycan einen Mundschutz an. | dpa

Deutsche Wirtschaft Überraschendes Mini-Plus zum Jahresende

Stand: 29.01.2021 14:52 Uhr

Die deutsche Wirtschaft ist Ende 2020 überraschend das zweite Quartal in Folge gewachsen - wenngleich auch nur sehr leicht. Auch in Frankreich und Spanien hatte die Corona-Krise weniger schlimme Folgen als befürchtet.

Die deutsche Wirtschaft ist im vergangenen Jahr um fünf Prozent geschrumpft. Doch in den letzten drei Monaten des Jahres liefen die Geschäfte besser als befürchtet. Im Vergleich zum dritten Quartal ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sogar leicht um 0,1 Prozent gestiegen. Ökonomen hatten lediglich mit einer Stagnation gerechnet.

Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden erklärte, die Warenexporte und die Bauinvestitionen seien die wichtigste Stütze für die Wirtschaft gewesen, während der private Konsum wegen des seit November verhängten Lockdowns und der damit verbundenen Schließung von Gaststätten, Kultur- und Freizeiteinrichtungen und später auch des Einzelhandels gelitten habe. Im Vergleich zum Vorjahresquartal 2019 schrumpfte das BIP um 3,9 Prozent.

"Nur eine Momentaufnahme"

"Gemessen an den ursprünglichen Sorgen zu Beginn des zweiten Lockdowns sind die neuesten BIP-Zahlen eine gute Nachricht in einer weiterhin sehr schwierigen Zeit", sagte Fritz Köhler-Geib, die Chefvolkswirtin der Förderbank KfW. Wegen der Verlängerung des Lockdowns bis mindestens Mitte Februar müsse sich Deutschland aber auf einen deutlichen Rückgang der Wirtschaftsleistung im Auftaktquartal 2021 um ein bis drei Prozent einstellen. Ab dem kommenden Frühling könne die Konjunktur mit einer Rückkehr des öffentlichen Lebens wieder anziehen.

Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe sagte: "Die Wirtschaft hat der Corona-Pandemie ein Stück weit die lange Nase gezeigt. Der halbwegs versöhnliche Jahresabschluss ist jedoch nicht mehr als eine Momentaufnahme." Wegen der sich ausbreitenden Virusmutationen und zu wenig Impfstoffen werde die Konjunkturerholung 2021 fragil bleiben.

Lichtblicke auch in Frankreich und Spanien

Auch in Frankreich, Deutschlands wichtigstem Handelspartner in der EU, ist die Wirtschaft 2020 nicht so stark eingebrochen wie befürchtet. Das Bruttoinlandsprodukt fiel zwar 8,3 Prozent niedriger aus als im Jahr zuvor, wie das Statistikamt Insee am Freitag mitteilte. Die Regierung war aber von einem Minus von elf Prozent ausgegangen.

Auch die neuen Kontaktbeschränkungen zum Jahresende hatten weniger starke Auswirkungen auf die Wirtschaft als gedacht. So ging das BIP von Oktober bis Dezember um 1,3 Prozent zurück. Ökonomen hatten mit einem Rückgang von 4,0 Prozent gerechnet - nach einem Rekordwachstum im Sommer von 18,5 Prozent, das auf den schweren Corona-Einbruch im Frühjahr folgte. Die Regierung rechnet trotz anhaltender Corona-Beschränkungen mit einer kräftigen Konjunkturerholung im Jahresverlauf. Sie geht derzeit von einem Wachstum von etwa sechs Prozent aus, ungeachtet der nur schleppend angelaufenen Impfkampagne in Frankreich.

Einen kleinen Lichtblick gab es auch aus dem von der Pandemie besonders gebeutelten Spanien. Von Oktober bis Dezember legte die dortige Wirtschaft um 0,4 Prozent zum Vorquartal zu. Experten hatten mit einem Minus von 1,5 Prozent gerechnet. Im Gesamtjahr ist Spaniens Wirtschaft allerdings 2020 so stark geschrumpft wie nie zuvor. Das BIP brach um 11 Prozent ein, wie das Statistikamt mitteilte.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 29. Januar 2021 um 14:02 Uhr.