Impfstoff der Firma BioNTech | REUTERS

Erfolg des Corona-Impfstoffs BioNTech kurbelt die Wirtschaft an

Stand: 14.01.2022 13:53 Uhr

Ein Unternehmen hat zum Aufschwung der deutschen Wirtschaft vergangenes Jahr einen besonders großen Beitrag geleistet: Der Mainzer Impfstoffhersteller BioNTech. Konjunkturexperten haben diesen Effekt nun genauer berechnet.

Der Impfstoff-Produzent BioNTech dürfte im vergangenen Jahr einen entscheidenden Teil zum Wachstums des Bruttoinlandsprodukts (BIP) beigetragen haben. Das schätzen sowohl das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) als auch das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW).

"Es gibt einen deutlichen BioNTech-Effekt", sagte der Wissenschaftliche Direktor des IMK, Sebastian Dullien. "In das amtliche Jahresergebnis zum BIP sind nun erstmals Lizenzeinnahmen des Impfstoffentwicklers eingeflossen, die zum Jahresende fällig wurden. Sie alleine dürften für rund 0,5 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung Deutschlands verantwortlich sein", bestätigt auch Nils Jannsen, Leiter des Bereichs Konjunktur Deutschland am IfW. Der Effekt schlage sich in höheren Dienstleistungsexporten nieder.

Bis zu 17 Milliarden Euro Umsatz

Das Statistische Bundesamt bestätigte, das der Effekt des Mainzer Unternehmens spürbar sei, wollte aber den genauen Beitrag von BioNTech aber nicht beziffern. IMK und IfW rechnen damit, dass ohne den BioNTech-Erfolg das BIP nur um 2,2 Prozent gewachsen wäre. "Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ein einzelnes deutsches Unternehmen jemals so stark zum Wachstum beigetragen hat", urteilte der Experte vom IMK.

Der Impfstoffhersteller hat im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben zwischen 16 und 17 Milliarden Euro mit seinem Vakzin erlöst. 2020 lag der Umsatz noch bei weniger als einer halben Milliarde. "Das ist eine massive Steigerung, die sich auf das gesamte deutsche Wirtschaftswachstum auswirkt", sagte Dullien.

"Nahezu reine Wertschöpfung im Inland"

Hinzu kommt, das BioNTech vergleichsweise wenige Vorprodukte aus dem Ausland bezieht, die bei der Berechnung des deutschen BIP noch abgezogen werden müssten. "Das ist daher nahezu eine reine Wertschöpfung im Inland", sagte Dullien. "Das wirkt sich direkt positiv auf das Wirtschaftswachstum aus."

BioNTech lässt den auf der neuen mRNA-Technologie basierenden Impfstoff etwa in Marburg produzieren und kassiert außerdem Gebühren in Milliardenhöhe von seinem US-Partner Pfizer. Der beeindruckende Erfolg des Unternehmens zeige, dass es in Deutschland eine hervorragende Forschungslandschaft gebe, sagte Dullien.

Über dieses Thema berichtete die Hessenschau am 27. Dezember 2021 um 19:29 Uhr.