Baukräne stehen an Neubauten von Mehrfamilienhäusern im städtebaulichen Großprojekt Wasserstadt Limmer.

Deutscher Immobilienmarkt Zu wenige Wohnungen trotz Bauboom

Stand: 27.05.2021 11:18 Uhr

Trotz Corona-Krise wurden im vergangenen Jahr so viele Wohnungen fertiggestellt wie seit fast 20 Jahren nicht mehr. Nach Einschätzung von Politik und Bauwirtschaft wäre aber mehr nötig, um den Wohnungsmangel zu beheben.

Im Jahr 2020 ist die Zahl der fertiggestellten Wohnungen in Deutschland verglichen mit dem Vorjahr um 4,6 Prozent auf 306.376 gestiegen. Das entspricht einem Plus von 13.374, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Der im Jahr 2011 begonnene Anstieg setze sich somit weiter fort, hieß es. Eine höhere Zahl an fertiggestellten Wohnungen hatte es zuletzt im Jahr 2001 gegeben, als 326.187 gebaut wurden.

Den Angaben zufolge legte die Zahl fertig gestellter Neubauwohnungen in Wohngebäuden um 5 Prozent auf 268.774 zu. Auf Mehrfamilienhäuser entfielen davon 153.377 Wohnungen, was einer Steigerung von 7,2 Prozent entspricht.

Wohnungsbau ist größter Faktor

Einfamilienhäuser verzeichneten einen Zuwachs von 4,1 Prozent auf 87.275, Zweifamilienhäuser von 6,0 Prozent auf 20.472. In Wohnheimen sank die Anzahl fertiggestellter Wohnungen auf 7650, den tiefsten Stand seit 2013.

Nach noch vorläufigen Berechnungen des DIW Berlin weist der Wohnungsbau mit 57 Prozent den weitaus höchsten Anteil am Bauvolumen im Jahr 2020 auf. Dahinter folgen Wirtschaftsbau und öffentlicher Bau.

Um die große Nachfrage nach Immobilien zu stillen und die Wohnungsnot in den Städten zu bekämpfen, müssen nach Einschätzung von Politik und Bauwirtschaft jedoch jährlich 350.000 bis 400.000 Wohnungen fertig werden.

Experten zufolge reicht das aktuelle Tempo also nicht aus, um den vor allem in Großstädten vorhandenen Mangel zu beheben. Die von der Bundesregierung versprochene Wohnraumoffensive verfehlt demnach zentrale Ziele, die auf dem sogenannten Wohngipfel im September 2018 beschlossen wurden.

Von den eigentlich geplanten 1,5 Millionen neuen Wohnungen werden bis zum Ende der Legislaturperiode wohl nur 1,2 Millionen gebaut sein, wie der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen schätzt.

Forderung nach Masterplan

Der Bundesvorsitzende der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt, (IG BAU) Robert Feiger, bezeichnete die Wohnungsbau-Offensive der Bundesregierung als gescheitert. "Die neue Bundesregierung wird im Herbst da anfangen müssen, wo diese Bundesregierung ihre Wohnungsbaupolitik abgebrochen hat: Bis 2025 müssen in Deutschland 1,5 Millionen neue Wohnungen gebaut werden - vor allem Sozialwohnungen und bezahlbare Wohnungen."

Bundesweit seien 12,7 Millionen Haushalte auf eine Wohnung im unteren beziehungsweise mittleren Preissegment angewiesen. Feiger forderte einen Masterplan "Sozialer Wohnungsbau".

Bauüberhang wächst

Unterdessen wächst der sogenannte Bauüberhang: Die Zahl der Baugenehmigungen legte im vergangenen Jahr um 2,2 Prozent auf 368.589 zu. Sie liegt damit weiter deutlich über den Baufertigstellungen. "Dies führte nunmehr zu einem Überhang von genehmigten, aber noch nicht fertiggestellten Wohnungen von insgesamt 779.432", teilte das Statistikamt mit.

Der seit 2008 anhaltende Anstieg der Bauüberhangs erreichte damit den höchsten Stand seit 1998. Knappe Kapazitäten bei Baufirmen dürften mehr Fertigstellungen verhindert haben, da Handwerker und Baufirmen im Immobilienboom überlastet sind, vermuten Experten.