Neuwagen stehen auf dem Gelände eines Vauxhall-Werkes | dpa

Aktuelle Studie Autobranche wieder über Vorkrisenniveau

Stand: 31.05.2021 09:30 Uhr

Mehr Umsatz und höhere operative Ergebnisse als vor der Krise: Die globale Autoindustrie hat die Corona-Pandemie hinter sich gelassen. Daran ändert auch der anhaltende Chipmangel nichts.

Trotz des laufenden Wandels hin zu neuen Antriebstechnologien und ungeachtet des Chipmangels schneiden die größten Autohersteller der Welt mittlerweile oft besser ab als vor der Corona-Krise. Die Industrie verzeichnete einer Studie des Beratungsunternehmens EY zufolge im ersten Quartal 2021 schon wieder mehr Einnahmen und verdiente auch operativ mehr Geld als vor Beginn der Krise.

Demnach stieg das Ergebnis der Hersteller vor Abzug von Zinsen und Steuern im Zehn-Jahres-Vergleich sogar auf den höchsten in einem Startquartal gemessenen Wert. Maßstab für die vierteljährlichen EY-Berechnungen sind die Finanzkennzahlen der 16 größten Autokonzerne.

Bestes erstes Quartal beim operativen Ergebnis

Unter konstanten Wechselkursen setzten die Branchenriesen laut der Studie, aus der Nachrichtenagentur dpa zitiert, zwischen Januar und Ende März 403 Milliarden Euro um - und damit rund 35 Milliarden mehr als im Vorjahresquartal und nur rund 5,8 Milliarden weniger als im Vergleichszeitraum des Jahres 2018.

Noch deutlicher stieg das operative Ergebnis: Ohne Renault und den Stellantis-Konzern mit Marken wie Citroën, Opel und Peugeot, die wegen fehlender Angaben außen vor gelassen wurden, beträgt der Wert 29,4 Milliarden Euro. Das operative Branchenergebnis lag damit um fast ein Drittel höher als im bisher führenden Startquartal 2017.

Sparkurse mit Erfolg

Das führt EY-Autoexperte Peter Fuß auch darauf zurück, dass viele Autokonzerne schon vor der Corona-Pandemie Sparprogramme aufgelegt hatten. Diese seien angesichts der Pandemie nochmals teils stark verschärft worden.

"Die Ergebnisse des ersten Quartals zeigen, dass einige Unternehmen tatsächlich bei der Anpassung der Fixkosten Fortschritte erzielt haben", so Fuß. Bemerkenswert sei aber auch, dass sich das Hochfahren neuer Antriebstechnologien wie der Elektromobilität sowie ein deutliches Absatzplus bei Elektroautos und Plug-in-Hybriden nicht spürbar negativ auf die Marge ausgewirkt hätten.

Wie geht es weiter?

Der Innovationsdruck könnte sich allerdings noch weiter erhöhen, wenn schärfere staatliche Vorgaben eingeführt werden oder weitere Technologien hinzukommen. Die "Wirtschaftsweise" Veronika Grimm, Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, sprach sich etwa am Wochenende dafür aus, bei den Antrieben der Zukunft für Autos mehrgleisig zu fahren und nicht nur auf die Batterietechnik zu setzen.

"Es kommt darauf an, in den nächsten zwei bis drei Jahren den Grundstein zu legen, dass die deutsche Industrie auf den Weltmärkten auch bei der Brennstoffzelle mit im Spiel ist", sagte sie der dpa. Die deutsche Automobilindustrie müsse auf den Weltmärkten bei allen nachhaltigen Antriebstechnologien am Ball bleiben, auch um langfristig eine große Zahl an Jobs in Deutschland zu sichern.

Ob die Rekordjagd der Autokonzerne in diesem Jahr anhält, hängt zudem entscheidend von der weiteren Entwicklung der noch immer immer ungelösten Chip-Krise ab. Bei zahlreichen Autoherstellern sorgt sie immer wieder für Produktionsstopps. "Die Lieferengpässe bei Halbleitern führen zu teils erheblichen Einschränkungen in der Produktion", betonte EY-Experte Fuß. Als Folge dürften im Laufe des Jahres mehrere Millionen Fahrzeuge weniger gebaut werden.

Verkaufszahlen noch ausbaufähig

Bei den Verkaufszahlen hat die Autobranche das Vorkrisenniveau sowieso noch nicht erreicht. Der weltweite Pkw-Absatz legte laut Studie im Jahresvergleich zwar um 15 Prozent zu, lag mit 16,9 Millionen Fahrzeugen aber immer noch neun Prozent niedriger als im ersten Quartal 2019.

Auch in der EU wurden im April dreimal so viele Pkw neu zugelassen wie im Vorjahresmonat. Dieser war allerdings extrem schwach ausgefallen. Die aktuellen Neuzulassungszahlen liegen daher weiter knapp 25 Prozent unter dem Vergleichsmonat des Vorkrisenjahrs 2019.

Weiter an Bedeutung gewinnt der chinesische Markt - auch für die drei deutschen Autokonzerne. Insgesamt haben Volkswagen, BMW und Daimler im ersten Quartal laut der Studie rund vier von zehn Neuwagen an einen chinesischen Kunden übergeben. Im Vorjahresquartal hatte der Anteil Chinas am Gesamtabsatz noch etwas niedriger gelegen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 31. Mai 2021 um 09:37 Uhr.