Neuwagen des VW-Konzerns stehen in einem Autoturm in Wolfsburg | dpa

Branche senkt Prognose Chipmangel bremst Autoabsatz

Stand: 07.07.2021 14:55 Uhr

Nach dem Tiefpunkt im Pandemie-Jahr 2020 sollte der Auto-Absatz in Deutschland dieses Jahr kräftig wachsen. Doch wegen des Chipmangels erwartet die Branche nun nur noch einen sehr kleinen Zuwachs.

Die anhaltenden Lieferprobleme bei Halbleitern bremsen die Pkw-Verkaufszahlen in Deutschland. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) senkte seine Schätzung für den Absatz im laufenden Jahr deutlich. Es sei mittlerweile nur noch von einem Zuwachs um drei Prozent auf drei Millionen Fahrzeuge auszugehen, sagte VDA-Präsidentin Hildegard Müller. Bisher hatte der Verband prognostiziert, dass sich in diesem Jahr der Absatz in Deutschland nach dem Corona-bedingten Einbruch des Vorjahres um acht Prozent erhöhen werde.

Deutscher Hersteller von Mangel stark betroffen

Der VDA betonte, dass die Entwicklung nicht an einer schwachen Nachfrage liege. Vielmehr sei ein bedeutender Teil des Produktionsrückgangs der deutschen Hersteller auf den Halbleitermangel zurückzuführen. Da deutsche Firmen viele Elektro- und Premiumfahrzeuge produzierten, bei deren Bau besonders viele Halbleiter verwendet werden, sei die Automobilindustrie hierzulande stark betroffen.

Um strukturelle Abhilfe zu schaffen, helfe "mittel- und langfristig nur der Aufbau von Kapazitäten", sagte Müller weiter. Neue Werke seien notwendig, "idealerweise auch in Europa". Insgesamt forderte Müller zur Sicherung von Rohstoffen für die Industrie mehr Handelsverträge mit Partnern auf der ganzen Welt. "Wir brauchen Außenwirtschaftspartnerschaften, wir brauchen Handelsabkommen", sagte Müller.

Branche gegen gesetztliches Verbrenner-Verbot

Der Verband nutzte die Vorstellung der aktuellen Zahlen, um sich gegen ein gesetzliches Verbot von Verbrennungsmotoren in Europa zu wenden. Das werde Innovationen abwürgen, Verbrauchern die Wahlfreiheit nehmen und Arbeitsplätze in der Autoindustrie gefährden, warnte Müller.

Für den 14. Juli hat die EU Gesetzesvorschläge zum Klimaschutz angekündigt. Nach einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" setzt sich EU-Umweltkommissar Frans Timmermanns für schärfere CO2-Grenzwerte für Neuwagen ein: Bis 2030 müssten sie von derzeit durchschnittlich 95 Gramm/Kilometer um 60 Prozent sinken und bis 2035 um 100 Prozent. Das wäre faktisch das Ende des Verbrennungsmotors und würde auch das Aus von Hybridantrieben bedeuten, die für die deutschen Premiumautobauer Audi, BMW und Daimler als Übergangstechnologie wichtig sind.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. Juli 2021 um 13:35 Uhr in der Sendung "Wirtschaft am Mittag".